Vorbereitung der Fronleichnamsprozession in der Vorstadtstraße, ca. 1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Die Vorbereitungen zur Fronleichnamsprozession laufen auf Hochtouren. Viele helfende Hände sind gefragt, um in der Vorstadtstraße den Blumenteppich zu legen, über den nachher bei der Prozession der Stadtpfarrer mit der Monstranz schreiten wird. Schon vor dem Morgengrauen zog man auf die umliegenden Wiesen und sammelte Blumenblüten. Nach Farben sortiert werden sie nun in Körbchen herbeigebracht und zu einem bunten Teppich zusammengelegt.

Auf dem Foto sind die Familien Geisinger und Heizmann zu sehen, die gerade Hand anlegen. Die junge Frau, die links in der Hocke sitzt, ist Rose Heizmann (verh. Gauger, geb. 1936). Hinter ihr beugt sich ihre Mutter, Maria Heizmann (1904-?) hinunter. Gegenüber kniet Olga Geisinger (geb. Schmutz, 1919-?). Der junge Mann rechts im grauen Anzug ist ein Gastarbeiter aus Italien, der bei Familie Heizmann ein Zimmer gemietet hat.

Das Scheunentor rechts im Hintergrund gehört zum Haus Wölfle (Vorstadtstr. 15).

Standort des Fotografen: 47.884721, 8.347582

Krippenspiel in der evangelischen Kirche, ca. 1963

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Ursula Weißenfels zur Verfügung.

Die evangelische Kirchengemeinde feiert Weihnachten. Kinder führen ein Krippenspiel auf. Maria sitzt neben der Krippe, in der eine Puppe als Jesuskind liegt. Hirten stehen zur rechten, ein Engel und die drei Könige stehen zur linken. Vor der Krippe haben sie ihre Geschenke – Weihrauch, Myrrhe und Gold – niedergelegt.

Wer erkennt die Kinder?
V.l.n.r.: Wolfgang Bartz, ???, Detlef Seidenberg, Rudolf Gwinner, [Christa Schwörer oder Ulrike Luedemann], ???, Ulrike von Knobelsdorf, Karin Empel, Christine Längin, Ursula Weißenfels, Thomas Benz.

Standort des Fotografen: 47.881441, 8.348732

Blick in die verschneite Kirchstraße, ca. 1969

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Drei von den sechs Häusern, die auf diesem Foto zu sehen sind, existieren heute nicht mehr. Abgerissen werden Anfang der 1970er Jahre das Haus Funk mit dem »Stinktörle« (Kirchstr. 10) und das Haus Hauser (Kirchstr. 8), in dessen Erdgeschoss sich ein kleines Schreibwarengeschäft befindet. Ende der 1980er Jahre fällt dann auch das Haus Fehrenbach (Kirchstr. 6) der Stadtsanierung zum Opfer.

Doch noch ist die alte Bausubstanz vorhanden. Da auf dieser Seite der Kirchstraße in der Vergangenheit keine Brände wüteten, handelt es sich wirklich um altehrwürdige Gemäuer. Tief verschneit liegt die Kirchstraße dar, ein einsamer Mensch bahnt sich seinen Weg.

Standort des Fotografen: 47.883053, 8.344340

Blick vom Alenberg auf das Städtchen, ca. 1969

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Von der Alemannenstraße fällt der Blick auf das Städtchen. Seit dem Großbrand 1921 und dem anschließenden Wiederaufbau haben sich die Häuser im Altstadtring und den Alenberg hinauf kaum verändert. Aber jenseits der Bahnlinie fand in den vergangenen Jahren eine rege Bautätigkeit statt. Sowohl im Gewann »Breiten« als auch »Im kleinen Brühl« sind viele Neubauten entstanden, darunter Einfamilienhäuser, aber auch viele Mehrfamilienhäuser. Der »Reichberg« hingegen ist noch weitestgehend unbebaut. Neben dem Rathaus ist das Dach der »alten Sonne« (Rathausplatz 9-10) zu erkennen, die 1973 abgerissen wird.

Standort des Fotografen: 47.885556, 8.344621

Gemeindediener Karl Meier, ca. 1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Werner Lubrich zur Verfügung.

Als es noch kein gedrucktes »Mitteilungsblatt« gibt, werden die Einwohner*innen noch mündlich über Beschlüsse des Gemeinderats und anstehende Termine informiert: Dafür verantwortlich ist Karl Meier (?-?), genannt »Kuli Meier«. Der Landwirt, der in der Kirchstraße wohnt, ist als Ratsdiener im Einsatz. In seiner rechten Hand hält er ein Büchlein, in dem die Bekanntmachungen notiert sind, in seiner linken eine Glocke. Sie bringt ihm auch die Bezeichnung »Ausscheller« ein. Damit zieht er durch das Städtchen und verkündete an verschiedenen Straßenecken, wie hier vermutlich in der Rötengasse, seine Neuigkeiten.

Standort des Fotografen: 47.885305, 8.342761

»Motel Hochschwarzwald« an der B31, ca. 1965

Verlag Erwin Burda, Freiburg/Breisgau
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Christa Maier zur Verfügung.

1961 wurde die Umgehungsstraße der B31 eröffnet, sodass der Verkehr nicht mehr durch das Städtchen führt. Ein neues Gasthaus muss also her, oder genauer gesagt: eine »Motel Raststätte«. Erbaut hat sie Willi Scherer (1939-2001) und seine Ehefrau Edeltraud geb. Trattner. 

Aufgewachsen in Rötenbach besuchte Willi Scherer, genannt »Mecki«, das Gymnasium in Neustadt, später die Handelsschule, um dann in der Firma Südwest-Auto in Freiburg Industriekaufmann zu lernen. Nach der Lehre kehrte er in den elterlichen Betrieb zurück, um das Reiseunternehmen, die Tankstelle und die Autowerkstätte Scherer in Rötenbach zu betreuen. 1962 pachtet er zusammen mit seiner Ehefrau, die er ein Jahr zuvor geheiratet hat, eine Tankstelle, die an der neuen Trasse der B31 liegt. 1963 bauen Scherers schließlich gleich daneben das Motel (Fürstenbergstr. 27), das über 24 Betten verfügt. Auf dem Foto ist das Gebäude noch ganz neu.

Das Bild findet als Werbepostkarte Verbreitung. Auf der Rückseite der Karte werben die Scherers mit »Guter bürgerlicher Küche – Fremdenzimmer mit Duschen – BP Großtankstelle mit Wagenpflege«. 

Standort des Fotografen: 47.888105, 8.348767

Blick vom Reichberg zum Städtchen, ca. 1965-1967

Sammlung Familie Waßmer

Immer wieder wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts vom Reichberg aus das Städtchen fotografiert. Denn der erhöhte Standort bietet einen guten Blick. Fiel er früher ungehindert über Wiesen, Felder und die Bahnlinie hinweg in Richtung der katholischen Pfarrkirche St. Michael und der Häuser in der Seppenhofer Straße, so verändert sich der Blick vor allem in den 1960er Jahren rapide.

Zusätzlich zu den Häusern in der Bonndorfer Straße, die bereits einige Jahre zuvor gebaut wurden, wird nun das Gewann »Im kleinen Brühl« als Neubaugebiet erschlossen. Mehrfamilienhäuser werden gebaut, neue Straßen wie die Gartenstraße und die Scheffelstraße angelegt. Nur wenige Jahre später wird sich dem Fotografen wieder ein ganz neuer Blick bieten.

Standort des Fotografen: 47.879007, 8.342917

Blick vom Reichberg auf das Städtchen, ca. 1961

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Eine rege Bautätigkeit herrscht im Neubaugebiet »Im kleinen Brühl«. Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser werden in der Gartenstraße gebaut. Auch jenseits der Bahnlinie sind bauliche Veränderungen sichtbar: Der 1957 errichtete Anbau an das Städtische Krankenhaus (Seppenhofer Str. 7) sticht genauso ins Auge wie der 1961 frisch verputzte Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael.

Standort des Fotografen: 47.879496, 8.342515

Luftbild vom Haus Adrion in der Alenbergstraße, ca. 1965

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Jutta Knöpfle zur Verfügung.

Das Haus Adrion (Alenbergstr. 21) präsentiert sich auf diesem Luftbild nach verschiedenen Umbauten.

Bereits 1947 wurde das Gebäude zur rechten Seite hin erheblich erweitert, indem an den Ökonomiebereich (am Scheunentor zu erkennen) ein Baustofflager angebaut wurde. Eine weitere Modernisierung folgte einige Jahre später: Die beiden alten Giebelgauben wurden durch eine lang gezogene Schleppgaube ersetzt, die sich über das gesamte Dach erstreckt. Im Zuge dessen wurde auch das Dach neu eingedeckt, wie auf dem Luftbild deutlich zu sehen ist.

Nach ihrer Eheschließung 1948 wohnen zunächst Arno Adrion und seine Ehefrau Irma Adrion geb. Schmid in dem Haus. Nachdem sie ca. 1955 ausgezogen sind, wohnt hier der Gipsermeister Fritz Adrion mit seiner Familie.

Hinter dem Haus ist der große Garten zu erkennen, der an die rückseitigen Gärten der Häuser in der Maienlandstraße angrenzt. Das Gebäude, das am oberen Bildrand zu erkennen ist, müsste die Rückseite vom Haus Heizmann (Maienlandstr. 18) sein.

Trachtenpaar am Demetriusbrunnen, ca. 1960

Sammlung Familie Waßmer

Ein Paar der 1935 gegründeten Trachtengruppe steht am Demetriusbrunnen und hakt sich unter. Zugegeben: Die Farben dieser Ansichtskarte sind etwas eigenwillig. Es handelt sich noch nicht um ein Farbfoto, sondern um eine nachträglich colorierte Aufnahme. Die blaue Jacke, die rote Weste und der eigentlich graue Zylinder des Mannes sind nicht sehr farbecht getroffen. Und die blonden Haare der Frau wirken eher komisch.

Bei dem Trachtenpaar handelt es sich um Ulrich Fehrenbach (geb. 1935) und seine Ehefrau Melitta. Sie führen ab 1967 die Zimmerei im Maienland in dritter Generation fort.

Standort des Fotografen: 47.883747, 8.343766

Dr. Geiss bei der Arztvisite im Krankenhaus, ca. 1960

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Gertrud Faller zur Verfügung.

Arztvisite! Im Städtischen Krankenhaus haben sich Ärztin Dr. Schwarz, Krankenschwester Gertrud Faller (1925-2005) und Chefarzt Dr. Otto Geiss (1920-1972) an einem Krankenbett versammelt.  

Dr. Geiss trat seine Stelle als Chefarzt am Krankenhaus Löffingen am 1. September 1958 an. Er wurde in Dietenheim an der Iller geboren und wuchs in Biberach an der Riß auf. Nachdem er 1940 am Gymnasium in Augsburg das Abitur abgelegt hatte, wurde er in den Krieg einberufen. Bis 1945 war er Soldat, konnte aber zwischendurch je ein Semester Medizin in Göttingen und München studieren. Nach der Entlassung aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft setzte er bis 1949 sein Medizinstudium in Tübingen fort. Nach seiner Promotion folgten berufliche Stationen an Krankenhäusern in Oberhausen und Ravensburg. Am 13. Mai 1955 erhielt er von der Landesärztekammer die Anerkennung als Facharzt für Chirurgie.

Der beliebte Arzt stirbt am 4. Juli 1972 bei der Ausübung seines Berufes im Krankenhaus. Er erliegt im Alter von 52 Jahren einem Herzschlag und hinterlässt seine Frau Hildegard und seine vier Kinder Elisabeth, Monika, Bernd und Martin.

Standort des Fotografen: 47.881720, 8.345399

2 Fotos: Bretterstapelplatz der Firma Sägewerk Benz, ca. 1965

Stadtarchiv

Nur der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche ragt aus dem Bretterstapel heraus. Gut gefüllt ist der Bretterstapelplatz der Firma Sägewerk Benz AG. Von einer Krise der mittelständischen Holzindustrie, die 1972 zur Schließung der Firma führt, ist auf diesem Foto nichts zu erahnen.

Als die Holzindustriewerke ihren Betrieb einstellen, schreibt die Lokalzeitung: »Die Betriebskapazität bei der Firma Benz-Holz betrug jährlich 30.000 bis 35.000 Festmeter Rundholz und Stangen. Während vieler Jahre war die Auftragslage gut. Die Firme fertigte eine Vielzahl interessanter Produkte und unterhielt im Bundesgebiet 22 Auslieferungslager.«

Standort des Fotografen: 47.883388, 8.339474