Clowngruppe vor dem Haus Hall in der Maienlandstraße, Fasnacht 1981

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Weiße Perücken, bunte Karojacken und dicke blaue Fliegen – die Clowngruppe vor dem Haus Hall (Maienlandstr. 20) zieht die Blicke auf sich. Mit geschminkten Gesichtern stehen sie lachend zusammen. Ein kleiner Clown trägt einen roten Hut, dieselbe Karojacke und dazu rote Pluderhosen – fast wirkt es, als wolle er den Großen Konkurrenz machen.

Es ist »Schmutziger Dunschdig«. Und die Straßen gehören nicht dem Alltag, sondern dem bunten Ausnahmezustand. An Fasnacht verwandelt sich das ganze Städtchen in eine Bühne. Wer hier auftritt, ist für ein paar Stunden Teil des närrischen Spiels – und vielleicht erkennt man den einen oder anderen Bekannten erst wieder, wenn die Schminke abgewaschen ist.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Olga Streit, 2 Ursula Kopp, 3 Maria Hall, 5 Diana Vierlinger, 6 Dieter Vierlinger
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Inge Mayer, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???

Standort des Fotografen: 47.886031, 8.342207

Julius und Berta Glunk, ca. 1910

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Julius und Berta Glunk lassen sich in einem Fotoatelier in Mannheim fotografieren. Der Vater von Julius Glunk stammte aus Löffingen, er selbst wurde aber in Stockach geboren und wuchs in Mannheim auf. Alles an dieser Aufnahme ist sorgfältig arrangiert: Der gemalte Hintergrund mit angedeuteter Natur, die Haltung der beiden, die Kleidung, die Accessoires – alles signalisiert Wohlstand und gesellschaftliches Selbstbewusstsein. Julius Glunk trägt einen hellen Anzug mit Weste, dazu Krawatte und einen steifen Hut. In der Hand hält er einen Spazierstock. An seiner Seite steht Berta Glunk, die in dunkler, eleganter Robe erscheint. Ein breiter Gürtel betont die Taille, über den Schultern liegt ein Pelzstola. Auffällig ist der große, mit Federn geschmückte Hut – ein modisches Zeichen weiblicher Eleganz dieser Zeit. Auch sie hält einen Stock in der Hand.

Julius Glunk kam am 2. Mai 1862 in Stockach zur Welt. Sein Vater war der Lehrer Heinrich Glunk (1827-1868), der am 30. Juni 1827 in Löffingen als Sohn des Schneidermeisters Jacob Glunk (1784-1849) und dessen Ehefrau Maria Agatha Glunk (geb. Müller, 1786-1871) geboren wurde. Das Elternhaus des Vaters stand in der Demetriusstraße. Die Mutter von Julius Glunk war Christine Glunk (geb. Villinger, 1832-1902), die aus Mannheim stammte. Julius Glunk ist verheiratet mit Berta Glunk (geb. Edelmann) und arbeitet als Zollbeamter auf dem Hauptzollamt in Mannheim. Er stirbt am 2. März 1946 in Überlingen.

Standort des Fotografen: Mannheim

Fußballmannschaft »Mailand-Alenberg«, ca. 1963

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Helga Küßner und Christa Egle zur Verfügung.

Die Mannschaft »Mailand-Alenberg« tritt gegen das Team »Städtle-Schlempental« an. Beide Mannschaften sind frei zusammengestellt – benannt nach Straßenzügen, in denen die Spieler wohnen. Was auf den ersten Blick nach großem Wettkampf aussieht, ist in Wahrheit Jux und Dollerei. Doch wer auf dem Platz steht, nimmt das Spiel trotzdem ernst. Jeder Ball, jeder Zweikampf zählt – denn am Ende soll die eigene Mannschaft doch den Sieg davontragen. Dieses Mal jubeln die Spieler von »Mailand-Alenberg«: Sie gewinnen nach einem spannenden Spiel. Torwart Werner Schiehle (1929-2009) hält stolz den Wanderpokal in den Händen.

V.l.n.r.: 1 Alfred Berger (geb. 1932), 2 Bernd Vetter, 3 Eugen Fehrenbach (1937-2026), 4 Torwart Werner Schiehle (1929-2009), 5 Dieter Küßner, 6 Hans Küßner (1937-2020), 7 Hans-Peter Fehrenbach (1939-2013)

Standort des Fotografen: 47.882767, 8.350697

Narrengruppe »Loipenspurgerät« beim Gasthaus »Löwe«, Fasnacht 1975

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Die Narren des Skiclubs zeigen beim Narrenumzug, was ihrem Verein dringend fehlt: ein eigenes Loipenspurgerät. Sie griffen kurzerhand selbst zur Säge und zum Hammer – und zimmerten ihr ganz persönliches »Pist-Spur-und Walzgerät«. Heraus kam ein Gefährt, das eher an die Steinzeittechnik der Familie Flintstone erinnert als an moderne Wintersportgeräte. Vornedran sind ein paar Langlaufski geschnallt, damit die Spur wenigstens symbolisch gezogen werden kann. Vorne prangt der Name »Schneewiesel« auf dem Gefährt und verweist damit auf den österreichischen Hersteller Kahlbacher, der das Spezialfahrzeug Schneewiesel K2000 auf dem Markt vertreibt. Auf den Seiten ist zu lesen: »Langläufer leben länger ohne Schnee« – wobei die Narren das »leben« durch einen eingefüngten Buchstaben zu »lieben« veränderten.

Als der Umzug am »Fasnet Mändig« durchs Städtchen zieht, ist allerdings weit und breit kein Schnee zu sehen. Da könnte selbst ein echtes Loipenspurgerät nichts ausrichten.

Standort des Fotografen: 47.883709, 8.344991

Drei Mädchen vor dem Rathaus, ca. 1910-1920

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Karl Schreiber zur Verfügung.

Drei Mädchen posieren vor dem Rathaus, das damals noch die Volksschule beherbergt. Herausgeputzt sind sie alle drei – in schlichten Kleidern, mit dunklen Strümpfen und großen Schleifen im Haar. Ernst blicken sie in die Kamera – so wie es üblich ist, schließlich gilt Lächeln auf Bildern als unpassend. Vielleicht ist an diesem Tag der Schulfotograf zu Besuch, und die Kinder dürfen sich im Sonntagsstaat ablichten lassen.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 ???, 3 ???

Die Mädchen sind evtl. Franziska Schreiber (verh. Braunigger, 1908-1971), Frida Schreiber (verh. Frenzle, 1914-2005) und Anna Schreiber (verh. Greinwald).

Standort des Fotografen: 47.883707, 8.344363

Narrengruppe »Heilsarmee« auf dem unteren Rathausplatz, Fasnacht 1992

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Beate Lubrich zur Verfügung.

Mit Uniform, Mütze und Schärpe marschiert diese Narrengruppe als »Heilsarmee« auf. Das echte Vorbild ist bekannt für offene und niederschwellige Hilfe: Suppenküchen, Kleiderkammern, Notunterkünfte oder Seelsorge. Gerade weil das Hilfswerk mit einer Mischung aus Militärsymbolik und Missionierung auffällt, wird es bisweilen belächelt – doch die Arbeit für Menschen am Rand der Gesellschaft ist wertvoll und unverzichtbar. Die »Heilsarmee« kümmert sich um Obdachlose, Bedürftige und Menschen in Not.

V.l.n.r.: 1 Bertil Weißenberger, 2 Günter Schelb, 3 Karlheinz Keßler, 4 Gerold Bächle

Im Hintergrund erkennt man die Häuser am unteren Rathausplatz und in der Demetriusstraße. Von ihrem Balkon aus beobachten Emil Kopp (1932-2022) und seine Ehfrau Maria Magdalena Kopp (geb. Fürst, 1932-2015) das närrische Geschehen. Und mitten ins Bild ragt der Narrenbaum, den die 20-Jährigen traditionell am »Schmutzigen Dunschdig« vor dem Café Fuß aufstellen.

Standort des Fotografen: 47.883843, 8.343925

Hermann und Maria Fehrenbach in der Alenbergstraße, ca. 1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gabi Senn zur Verfügung.

Der Landwirt Hermann Fehrenbach (1866-?) und seine Ehefrau Maria Fehrenbach (geb. Selb, 1869-1946) stehen vor ihrem landwirtschaftlichen Anwesen in der Alenbergstraße. Beide tragen einfache Arbeitskleidung: Maria Fehrenbach ein langes Kleid mit Schürze und ein Kopftuch, Hermann Fehrenbach Hemd, Hosenträger und einen Hut, in seinem Mundwinkel steckt eine Pfeife. Hinter ihnen ist ein Stapel Holzbretter zu sehen. Links im Hintergrund steht der Schopf (Alenbergstraße 11), rechts das Wohnhaus (Alenbergstraße 13). Die beiden können auf ein arbeitsreiches Leben zurückblicken.

Das Paar hatte am 22. Juni 1891 geheiratet. Als Beruf des Bräutigams wurde im Ehebuch der Kirchengemeinde »lediger Dienstknecht« angegeben. Die Fehrenbachs bekamen acht Kinder: Josefa Schelling (geb. Fehrenbach, 1893-?), Julius Fehrenbach (1894-1918), der kurz nach Kriegsende in einem Berliner Lazarett seiner Kriegsverwundung erlag, Karl Fehrenbach (1896-1956), Luise Binder (geb Fehrenbach, 1898-?), Eugen Fehrenbach (1901-?), Klara Zepf (geb. Fehrenbach, 1902-?), Lina Vogelbacher (geb. Fehrenbach, 1906-?) und Mathilde Schlenker (geb Fehrenbach, 1907-1980).

Hermann Fehrenbach wurde am 9. Juli 1866 als Sohn des Landwirts und Sägers Michael Fehrenbach und dessen Ehefrau Aloisia Fehrenbach (geb. Faller) geboren. Maria Fehrenbach (geb. Selb) kam am 28. Dezember 1869 als Tochter von Zimmermann Josef Selb und dessen Ehefrau Josefa Selb (geb. Benz) zur Welt. Anlässlich ihrer Hochzeit übernahm sie das Anwesen ihrer Eltern in der Alenbergstraße. Sie stirbt am 12. Januar 1946 im Alter von 76 Jahren. Hermann Fehrenbach stirbt am …

Standort des Fotografen: 47.885734, 8.343645

Narrengruppe in der Demetriusstraße, Fasnacht 1925

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Drei junge Närrinnen haben sich in der »Hintergasse« für ein Foto aufgestellt. Links trägt ein Mädchen ein auffälliges Narrenkostüm mit breiten, geometrisch verzierten Stoffbahnen und einer hohen Kopfbedeckung mit Bommel. In der Mitte posiert ein als Junge verkleidetes Mädchen in kurzer Lederhose, weißem Hemd, Hosenträgern und Hut – fast schon in Tracht. Rechts steht ein Mädchen mit offenen Haaren, Weste und Rock, geschmückt mit Gürtel und Kette.

V.l.n.r.: 1 Agathe Beha (verh. Geisinger, 1906-1972), 2 Marie oder Emilie Beha, 3 Lina Beha

Das Fenster hinter ihnen gehört zur Werkstatt der Buchbinderei und Buchdruckerei von Anton Rebholz (Rathausplatz 3).

Standort des Fotografen: 47.884200, 8.344369

2 Fotos: Aufführung auf der Fasnachtsbühne vor dem Rathaus, Fasnacht 1935

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Der Stempel »3. März 1935« auf der Vorderseite der beiden Fotos verweist auf das Aufnahmedatum: Es ist ein Sonntag. Auf dem oberen Rathausplatz wird an diesem Tag ein großes Fasnachtsspiel aufgeführt.

Das Motto lautet: »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«. Entsprechend wimmelt es auf der Bühne von »Indianern« und den gängigen Klischees, die sich die Löffinger Narren ausmalen. Sie entspringen der Fantasie – und den populären Romanen von Karl May (1842-1912), dessen fiktive Helden Winnetou und Old Shatterhand das Bild der indigenen Bevölkerung Nordamerikas in Deutschland bis weit ins 20. Jahrhundert hinein prägen. Die Darstellung reproduziert stereotype Bilder von der indigenen Bevölkerung und zeigt nicht die Realität, sondern eine europäische Projektion, die mit den tatsächlichen Lebenswelten und Kulturen kaum etwas zu tun hat.

Im Kreis sitzen einige Männer mit Federschmuck, die eine Friedenspfeife mit Kolumbus oder einem anderen europäischen Eroberer rauchen. Weitere Personen stehen im Halbkreis. Über allem wacht die steinerne »Schnitterin« auf dem Rathausbrunnen, die dem närrischen Treiben zu ihren Füßen zusieht. Im Hintergrund sind das Rathaus und die »alte Sonne« zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883964, 8.344780

2 Fotos: Jugendrotkreuz vor der Festhalle, 1984

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Beate Lubrich zur Verfügung.

Der Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes feiert 1984 sein 75-jähriges Gründungsjubiäum. Aus diesem Anlass werden auch die Mitglieder des Jugendrotkreuzes fotografiert. Sie stellen sich auf der Treppe vor der Festhalle auf. Sie tragen einheitliche weiße Pullover, die mit dem Logo des Jugendrotkreuzes bedruckt sind – rotes Kreuz, schwarze Schrift, dazu die Deutschlandfarben. Diszipliniert stellen sich die Jugendlichen in drei Reihen auf. Beim ersten Foto blicken sie gar zu ernst in die Kamera, sodass gleich noch ein zweites Foto aufgenommen wird, auf dem sie freundlicher lächeln.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Birgit Fritsche, 2 Markus Wehrle, 3 Gerald Münzer, 4 Michael Bürklin
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Gabi Senn, 2 ??? Wiedemann
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Susanne Gantert, 2 Joachim Schmidt, 3 Martin Beha, 4 Gabi Münzer (geb. Stoffel), 5 Matthias Kirner

Standort des Fotografen: 47.883018, 8.347674

Ehepaar Vetter mit einem Kurgast vor dem Haus in der Haslachstraße, 1955

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Vor dem neu erbauten Einfamilienhaus in der Haslachstraße 9 posieren der Gendarmeriemeister Albert Vetter (1886-1962) und seine Ehefrau Agnes Vetter (geb. Bader, 1907-1998). Neben ihnen steht eine Kurgastfrau, die einige Wochen in Löffingen zur Erholung verbringt. Stolz steht das Ehepaar Vetter da, die Schürzen verraten Alltag, Arbeit und Gastfreundschaft zugleich. In den 1950er Jahren entwickelt sich Löffingen zum Kurort. Heimatfilme im Fernsehen tragen zur Popularität des Schwarzwaldes als Urlaubsziel bei. Viele Einheimische bieten Privatzimmer an – so auch die Vetters, die sich mit der Vermietung ein kleines Zubrot verdienen.

Das Haus Vetter gehört zu den Neubauten in der Siedlung »Neue Heimat«. Viele Familien träumten nach den Entbehrungen des Krieges vom eigenen Heim – für Albert und Agnes Vetter ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Das Ehepaar ist alleinstehend. Denn die Ehe der Vetters blieb kinderlos, nicht aus freiem Willen, sondern weil Agnes Bader als 17-Jährige von den Nationalsozialisten zwangsweise sterilisiert wurde. Sie teilt dieses Schicksal mit etwa 400.000 Menschen im Deutschen Reich, die Opfer der sogenannten »Erbgesundheitspolitik« wurden. Dieses Stigma wirkt auch in der Nachkriegszeit fort. Man tuschelt hinter dem Rücken, macht Andeutungen. Den Betroffenen wurde nicht nur die Möglichkeit genommen, Kinder zu bekommen – oft war ihnen auch der Weg zu einer gleichaltrigen Ehe verbaut. So nahm auch das Leben von Agnes Bader einen anderen Verlauf, als sie es sich wohl erträumt hätte. Sie heiratete den 21 Jahre älteren Gendarmeriemeister Albert Vetter, der aus dem Elsass stammte.

Im Hintergrund erkennt man das Elternhaus von Agnes Vetter – das Haus Bader (Obere Hauptstr. 17), das nur wenige Meter entfernt steht.

Standort des Fotografen: 47.884355, 8.349685

2 Fotos: Ehepaar Limb vor dem Haus in der Rötenbacher Straße, 1934

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Daniela Scherzinger zur Verfügung.

Der Schreinermeister August Limb (1884-1976) steht in Arbeitskleidung vor seinem Haus in der Rötenbacher Straße. Über seinem Hemd trägt er die typische Schürze der Handwerker. Neben ihm seine Ehefrau Anna Maria Limb (geb. Gebert, 1890–1960), in einer karierten Bluse und der praktischen Kittelschürze des Alltags.

Neben den beiden lächelt ein Junge in kurzer Hose und hellem Hemd, der sich eng an August Limb lehnt. Zur Linken steht eine ältere Frau mit Brille und strengem Scheitel, die eine dunkle Jacke und ein langes Kleid trägt – vielleicht eine Verwandte. Alle vier blicken direkt in die Kamera, die Szene wirkt vertraut.

Hinter der Gruppe ragen Bäume und Dächer empor, und klar erkennbar ist der Turm der katholischen Pfarrkirche St. Michael

Standort des Fotografen: 47.882179, 8.341854