4 Fotos: Hochzeitsfeier bei der Hochzeit Fuß/Horn im Café Fuß, 1957

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Im Café Fuß findet eine Hochzeitsfeier statt. Es heiratet nicht irgendjemand, sondern der Inhabe des Cafés höchstpersönlich: Der Bäckermeister Walter Fuß (1933-1999) und Ingeborg Fuß (geb. Horn, 1932-1999) haben sich heute das Ja-Wort gegeben. Der Geräuschpegel ist anfangs hoch – Lachen, Stimmengewirr, Stühlerücken, die Stimme der Bedienung, die sich durch den Raum kämpft. Doch inzwischen ist es ruhiger geworden. Jetzt sitzen alle, das Essen ist serviert, die Gläser gefüllt. Eine gesättigte Zufriedenheit macht sich breit. Nur gelegentlich klirrt Besteck gegen Porzellan oder es wird ein Toast ausgebracht.

Der kleine Gastraum im Café Fuß platzt beinahe aus allen Nähten. Und doch gelingt es, eine festliche Atmosphäre zu schaffen. Alles ist liebevoll geschmückt, Kerzen und Blumen schmücken den Tisch, aber zugleich wirkt alles improvisiert – es ist spürbar, dass der Raum eigentlich für Kaffee und Kuchen am Nachmittag gedacht ist, nicht für ein mehrgängiges Hochzeitsmahl. Die Gardinen sind bunt gemustert, die Jacken und Hüte hängen an der Garderobe, in der Ecke steht ein Röhrenradio mit Holzgehäuse, darauf eine Topfblume.

Standort des Fotografen: 47.883993, 8.344068

2 Fotos: Drei Freunde, ca. 1950

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Hans-Peter Hepting und Christa Egle zur Verfügung.

Ein sonniger Tag irgendwo im Grünen. Drei junge Männer haben sich für ein Foto versammelt – Willi Burger, Werner Hepting und Heinrich Jäger, genannt »Henner«. Die drei sind freundschaftlich verbunden, sie lachen in die Kamera, die Stimmung wirkt gelöst. Doch das Bild zeigt mehr als nur eine fröhliche Szene: Es erzählt auch von Zusammenhalt und gelebter Inklusion zu einer Zeit, in der das Wort noch kaum jemand kennt.

1.Reihe: 1 Heinrich (»Henner«) Jäger (1913-1978)
2.Reihe, stehend, v.l.n.r.: 1 Werner Hepting (1928-2011), 2 Willi Burger (1928-2021)

Heinrich Jäger liegt im Rollstuhl, zugedeckt mit einer karierten Decke, der Kopf etwas schief zur Seite gelehnt, die Hände verschränkt. Seit einer schweren Rheuma-Erkrankung kurz vor seinem Abitur im Jahr 1933 ist er auf Hilfe angewiesen. Seine Freunde unternehmen ab und zu Ausflüge mit ihm, verbringen gemeinsam Zeit, lassen sich die Lebensfreude nicht nehmen. Und »Henner«, der körperlich eingeschränkt ist, macht sich als Künstler und Autor einen Namen. Anlässlich der Stadterhebung 1951 dichtet er z.B. das »Lied auf die Stadt Löffingen«, das zur Melodie von Oskar Bier (1876-1973) uraufgeführt wird. Auch manches Fasnachtsspiel wird von ihm geschrieben.

Heinrich Jäger wurde am 11. November 1913 als Sohn des Gastwirts August Jäger und seiner Frau Elisabeth (verw. Selb, geb. Fenner) geboren. Seine Eltern betrieben das Gasthaus »Löwen«. Er besuchte die katholische »Lendersche Lehranstalt« in Sasbach, wo er sich auf ein Theologiestudium vorbereitete. Die Krankheit veränderte dann seinen Weg.

In einem Zeitungsartikel vom 21. November 1934 mit dem Titel »Der Kranke und der Führer« wurde über Heinrich Jäger berichtet: »Einem jungen unglücklichen 21-jährigen Mann namens Heinrich Jäger, der durch ein schweres, scheinbar unheilbares Leiden schon 2½ Jahre an das Bett gefesselt ist, wurde von unserem Führer Adolf Hitler ein Fünfröhren-Radioapparat zur Verfügung gestellt. Der Unglückliche hat in seiner Einsamkeit an den Führer geschrieben und ihm sein Leid geklagt.« Die Wortwahl dieser Zeitungsnotiz verrät viel: Heinrich Jäger wird auf seine Behinderung reduziert und als passiv leidender »Unglücklicher« dargestellt. Von seinem tatsächlichen Alltag, seinen sozialen Kontakten und seinen künstlerischen Ambitionen ist keine Rede. Die Nationalsozialisten nutzten vielmehr seine Geschichte für ihre Propaganda: Hitler wird als fürsorglich inszeniert, als einer, der sich persönlich um »Volksgenossen« kümmert. Dieselbe nationalsozialistische Führung veranlasste jedoch nur wenige Jahre später die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderungen. Bei der »Euthanasie«-Aktion T4 wurden 1940/41 rund 70.000 Menschen in Gaskammern ermordet. Hätte Heinrich Jäger nicht im Elternhaus, sondern in einer Heil- und Pflegeanstalt gelebt, wäre er dem Massenmord vermutlich auch zu Opfer gefallen.

Standort des Fotografen: ???

Frauen im Pavillon auf dem Alenberg, ca. 1950

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gabi Senn zur Verfügung.

Eng gedrängt stehen die drei jungen Frauen im hölzernen Pavillon auf dem Alenberg. Sie kichern, rücken enger zusammen, damit auch wirklich alle aus dem Fenster schauen können. Keine will fehlen. Ist auch keine verdeckt? Es ist, als höre man ihr Lachen. Ob da wohl gerade eine der anderen auf dem Fuß steht? Die Arme sind umeinandergelegt, der Moment ist ausgelassen und vertraut – wie unter besten Freundinnen.

Die Frisuren der Frauen sind sorgsam frisiert, ihre Blusen scheinen frisch gebügelt. Der Pavillon mit seinen Holzschindeln bietet den Rahmen für ein Bild unbeschwerter Nachkriegszeit. Im Hintergrund öffnet sich die Landschaft der Baar: Felder und Wiesen und die Hügelkette des Hochschwarzwaldes sind zu sehen.

V.l.n.r.: 1 Margareta Zepf (verh. Senn, 1932-2021), 2 ???, 3 Hedwig Egle (verh. Hepting, 1932-2020)

Standort des Fotografen: 47.885693, 8.344783

Schaufenster vom Friseursalon Geisinger in der Unteren Hauptstraße, ca. 1970

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Beate Lubrich zur Verfügung.

Eine Szene wie aus einem Weihnachtsfilm: In der Unteren Hauptstraße liegt Schnee auf dem Gehweg, es ist Nacht, still ist die Straße – aber das Schaufenster von Geisingers Friseursalon (Untere Hauptstr. 4) strahlt hell. Über dem Geschäft leuchtet ein geschmückter Christbaum auf dem Balkon, elektrisches Licht funkelt in den Zweigen.

Der Salon ist mehr als nur ein Ort für Haarschnitt und Rasur. »Parfümerie – Friseur-Salon – Drogen« steht über dem Schaufenster, und tatsächlich: Die Auslage ist ein kleines Weihnachtsparadies. Plüschtiere und Puppen für die Kleinen, elegante Handtaschen für die Damen – man kann sich gut vorstellen, wie Kund*innen mit glänzenden Augen stehen bleiben und überlegen, was sie wohl ihren Liebsten schenken könnten.

Standort des Fotografen: 47.883496, 8.343831

Narrengruppe »Schneewittchen und die 7 Zwerge«, Fasnacht ca. 1961

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Jutta Knöpfle zur Verfügung.

Beim Narrenumzug zieht eine fröhliche Narrengruppe in bunten Kostümen über den oberen Rathausplatz. Vorneweg marschieren kleine Zwerge mit bemalten Gesichtern, wallenden Bärten, Zipfelmützen und Schürzen. Einer trägt sogar einen Werkzeugkasten – ganz wie es sich für einen fleißigen Zwerg gehört. Hinter ihnen wird ein Leiterwagen gezogen, auf dem weitere Zwerge eng beisammen sitzen. Dahinter schreitet Schneewittchen in weißem Kleid.

Die Häuserkulisse mit dem charakteristischen Eckerker vom Stadtbau (Demetriusstr. 1) im Hintergrund verrät: Die Szene spielt sich auf dem oberen Rathausplatz ab, wo sich Jahr für Jahr das närrische Treiben sammelt. Das Foto wird vermutlich an Fasnacht 1961 aufgenommen. Das Motto in diesem Jahr lautet: »Kleine Gruppen – viel Grund zum Gucken«.

Standort des Fotografen: 47.884106, 8.345051

Familie XXX in der Stube, ca. 1920-1930

Sammlung Familie Waßmer

In einer Stube sitzt eine Familie beisammen – Vater, Mutter, Kind und ein weiteres Familienmitglied. Sie haben am Tisch Platz genommen, wohl für ein gemeinsames Essen oder einfach für das Foto. Der Vater sitzt auf einem Stuhl links im Bild, in Hemd und Weste, mit ernster Miene. Die Mutter sitzt auf der Eckback, lachend, und hält das kleinere Kind. Eine junge Frau, möglicherweise die ältere Tochter oder ein weiteres Familienmitglied, sitzt rechts außen.

Die Wände sind mit einer geblümten Tapete versehen. An der Wand hängt eine große Wanduhr, daneben ein gerahmtes Porträt einer Frau – vielleicht die verstorbene Mutter bzw. Großmutter in jüngeren Jahren. Ein zweites Bild zeigt eine Darstellung der Muttergottes. Im »Herrgottswinkel« hängt ein Kruzifix. Der Glaube scheint ein fester Bestandteil des häuslichen Lebens zu sein.

Der Tisch ist schlicht gedeckt: ein Glas, eine Karaffe, eine Schale. Alles ist sehr einfach gehalten, nichts deutet auf Reichtum. Das Foto ist leicht verwackelt – typisch für Innenaufnahmen jener Zeit, bei denen lange Belichtungszeiten nötig sind und natürliches Licht oft nicht ausreicht.

Wer die Familie ist, bleibt ungewiss. Vielleicht handelt es sich um Familie Effinger (Vorstadtstr. 2)? Oder um Familie Beha (Vorstadtstr. 6)?

Standort des Fotografen: ???

Narren auf der Bühne in der Festhalle, Fasnacht ca. 1961/62

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Christa Egle zur Verfügung.

In der Festhalle drängen sich Närrinnen und Narren auf der Bühne. Die Szene wirkt übervoll – im besten Sinne: Menschen, Masken, Kostüme, Farben und Rollen prallen aufeinander und verschmelzen zu einem dichten, närrischen Bild.

Im Vordergrund hocken vier »Hexen« der Hexengruppe breitbeinig auf ihren Besen. Ihre karierten Röcke und gestreiften Strümpfe verrutschen dabei so weit, dass bei der einen oder anderen die Unterhose zum Vorschein kommt – ein augenzwinkernder Verstoß gegen die bürgerliche Ordnung, wie er zur Fasnacht gehört. Das »Häs« ist in seiner Grundform seit 1956 einheitlich mit karierten Stoffen gestaltet. Seit 1958 tragen die Hexen auch aus Holz geschnitzte Masken. Sie sind individuell gestaltet, denn jede Hexe schnitzt ihre Maske selbst und trägt ihr ganz eigenes Gesicht.

Hinter den Hexen stehen zwei junge Frauen in Uniform – Mitglieder der weiblichen Narrenpolizei, die hier für närrische Ordnung sorgen. Neben ihnen sind drei »Hansele« zu sehen, Vertreter der sogenannten Baaremer Weißnarren, mit Holzmasken und Geschellriemen. Sie tragen Masken aus Bräunlingen und Donaueschingen, die aus dem Fundus von Friseurmeister Julius Limb stammen, der 1923/24 Masken und »Häser« auf der Baar aufkaufte und an Fasnacht auslieh. Die typische Löffinger »Hansele«-Maske, die einen freundlicheren Gesichtsausdruck zeigt, entstand 1936 nach einer Vorlage von Lehrer Karl Ehret.

Am linken Bildrand sind mehrere Mitglieder der »Laternenbrüder« zu erkennen. Sie tragen traditionelle blaue Fuhrmannskittel und schwarze Rundhüte. Einer von ihnen scheint gerade eine Ansprache zu halten: Konzentriert blickt er auf das Blatt in seiner Hand. Es ist Karl Guth, der 1961/62 Narrenvater ist. Dazwischen stehen mehrere Ehrennarren, zu erkennen an ihren weißen Zipfelmützen und dem Zylinder.

Der Bühnenhintergrund zeigt ein gemaltes Bild mit angedeuteter Häuserkulisse. Zu sehen sind die Häuser beim Mailänder Tor.

V.l.n.r.: 1 Karl Guth, 2 ???, 3 ???, 4 ???, 5 Hugo Schropp, 6 Gerda Bader (geb. 1934), 7 Lore Isele (geb. 1933)

Standort des Fotografen: 47.882911, 8.347815

Güterzug mit Dampflok am Bahnübergang Seppenhofer Straße, ca. 1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Ein Güterzug mit dampfender Lokomotive passiert mit lautem Getöse den Bahnübergang an der Seppenhofer Straße – ein Schnappschuss. Das Foto ist leicht unscharf, ein typisches Knipserfoto, aber es hält doch einen besonderen Moment fest: Die Lokomotive mit hohem Schornstein, aus dem dunkler Rauch in dicken Schwaden quillt. Dahinter etliche Güterwaggons, beladen vermutlich mit Holz, Kohle oder landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Man kann sich das rhythmische Stampfen der Räder vorstellen, das Rattern über die Schienenstöße, das Zischen von Dampf, das Fauchen der Maschine – alles vermischt sich zu einem eindrucksvollen Klangbild. Vielleicht gibt der Lokführer ein kurzes Pfeifsignal, als Warnung am Übergang, ein hoher, durchdringender Ton, der noch eine ganze Weile in den Ohren nachhallt.

Im Vordergrund sieht man das Haus Guth (Gartenstr. 21), das um 1934/35 erbaut wurde. Im angrenzenden Garten der Villa Benz sind einige Bäume frisch gepflanzt. Am rechten Bildrand ist ein steinernes Wegkreuz zu erkennen. Noch ist die Bonndorfer Straße nicht gebaut. Hinter der Bahnlinie steht das Haus Schreiber (Seppenhofer Str. 19), das 1975 durch ein Feuer zerstört wird. Im Hintergrund ragen die Festhalle und die 1936 eingeweihte Volksschule empor, deren Dach noch neu wirkt. Dahinter erkennt man das kleine Wäldchen »Hasle«.

Standort des Fotografen: 47.879702, 8.345588

Ratzer-Brunnen in der Oberen Hauptstraße an Fronleichnam, ca. 1950

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Genoveva Kinast zur Verfügung.

An der Kreuzung von Dittishauser Straße und Oberer Hauptstraße steht der sogenannte Ratzer-Brunnen – benannt nach der Familie Ratzer, die seit Generationen im zweigeschossigen Wohnhaus in der Dittishauser Straße 1 lebt.

Heute zeigt sich der Brunnen besonders festlich geschmückt, denn die katholische Pfarrgemeinde feiert das Fronleichnamsfest. Da der Brunnen an der Prozessionsstrecke liegt, wurde über dem Brunnentrog eine Statue des auferstandenen Christus angebracht. In der Hand trägt er eine Fahne – Symbol seines Sieges über den Tod. Der Platz um den Brunnen ist liebevoll gestaltet: Die gepflasterten Rinnen der Dittishauser Straße und der Oberen Hauptstraße rahmen ein kleines Dreieck, in dem ein kunstvoller Blumenteppich ausgelegt wurde.

Im Hintergrund ist das Haus Bader (Obere Hauptstraße 17) zu erkennen.

Stanort des Fotografen: 47.884855, 8.348609

Blick vom »kleinen Brühl« auf das Städtchen, ca. 1940

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rudi Straetker zur Verfügung.

Diese winterliche Aufnahme zeigt den Blick vom Gewann »Im kleinen Brühl« auf das Städtchen. Die Landschaft ist tief verschneit, die Dächer der Häuser liegen unter einer dicken Schneeschicht, und die Felder im Vordergrund sind vollständig vom Schnee bedeckt.

Links im Bild erhebt sich die katholische Pfarrkirche St. Michael mit ihrem markanten Turm über das Stadtbild. Ins Auge sticht auch das städtische Krankenhaus (Seppenhofer Str. 7), das noch nicht modernisiert und erweitert wurde. Auch der Alenberg mit dem Alenbergwäldchen sind zu sehen. Und da die Bäume kahl sind, ist auch die Friedhofskapelle zu erkennen.

Im Vordergrund sind die neu erbauten Häuser in der Bonndorfer Straße zu sehen. Links das so genannte »Beamtenhaus« (Bonndorfer Str. 6), das 1936 erbaut wurde und in dem u.a. NS-Bürgermeister Heinrich Andris mit seiner Familie wohnt, und rechts eine der beiden Villen, die der Familie von Sägewerksbesitzer Josef Benz gehört.

Standort des Fotografen: 47.879972, 8.344231

Kindergruppe in der Demetriusstraße, ca. 1945

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gabi Senn zur Verfügung.

Hinter dem Haus Limb steht eine Schar Kinder in der Demetriusstraße. Die älteste unter ihnen, Margareta Zepf, ist bereits im Jugendalter und trägt fürsorglich ein kleineres Kind auf dem Arm.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 [Irma Zepf (verh. Hasenfratz, geb. 1937)], 3 ???, 4 Margareta Zepf (verh. Senn, 1932-2021), 5 ???, 6 ???

Im Hintergrund sind die Rückseite vom Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2) und der Hintereingang zum Haus Limb (Untere Hauptstr. 4) zu sehen. Julius Limb (1883-1968) betreibt einen Friseursalon und eine Drogerie. Verschiedene Werbeschilder aus Emaille sind zu sehen, die u.a. Produkte von Maggi und die Zahncreme Durodont anpreisen und von Limbs Warenangebot zeugen. Vermutlich ist es Julius Limb selbst, der zur Kamera greift, um diesen Moment festzuhalten. In der Tür steht seine Ehefrau Maria Limb (geb. Nägele, 1894–?), gekleidet in einen weißen Friseurkittel, und beobachtet das Geschehen.

Ein Fotoapparat ist in der unmittelbaren Nachkriegszeit ein seltener Besitz – zählt er doch zu den Gegenständen, die von der französischen Besatzungsmacht häufig eingezogen wird.

Standort des Fotografen: 47.883413, 8.343496

Turnerbund, ca. 1923

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Genoveva Kinast zur Verfügung.

Diese sorgfältig inszenierte Gruppenaufnahme zeigt Mitglieder des 1905 gegründeten Turnerbundes. Das Foto wird in einem Fotostudio aufgenommen, wie der drapierte Vorhang im Hintergrund erkennen lässt. Die Gruppe ist klar gegliedert: In der Bildmitte und im Vordergrund sitzen und liegen aktive Turner in ihren typischen weißen Turnkleidung, die das Emblem des Vereins auf der Brust tragen. Drei der Turner tragen eine Schärpe über die Schulter, einer von ihnen hält die Vereinsfahne. Sie wird bei Wettkämpfen, Festumzügen und Ehrentagen mitgeführt. Der Turnerbund schaffte sich 1923 eine Fahne an, die am 2./3. Juni 1923 geweiht wurde. Vielleicht entsteht das Foto zu diesem Anlass?

Rechts und links der Turner stehen Männer in Anzug und Krawatte, die vermutlich dem Vereinsvorstand angehören. Auffällig ist zudem die Anwesenheit einer Frau. Ihre Präsenz weist auf die Existenz einer Damenriege hin, wie sie in vielen Turnvereinen seit der Jahrhundertwende zunehmend üblich wurde.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Rupert Hepting, 2 Otto Schweizer
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Rosa Adrion (geb. Berger), 2 ??? Sibold, 3 ???, 4 Fritz Adrion
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Heinrich Wider, 3 Anselm Zepf (1898-1989), 4 Jakob Schreiber, 5 Ernst Fehrenbach, 6 ???, 7 Konrad Sibold (1900-1979), 8 ???
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 Paul Benitz

Auf dem Foto ist vermutlich Vereinsvorsitzender J. Fehrenbach zu sehen.

Die deutsche Turnbewegung geht auf Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852), den sogenannten »Turnvater Jahn«, zurück. Er begründete im frühen 19. Jahrhundert das Turnen als nationale Erziehungsbewegung, verbunden mit dem Ideal der körperlichen und geistigen Ertüchtigung des deutschen Volkes. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Bewegung zu einem breiten bürgerlichen Phänomen. Besonders in kleineren Städten und Gemeinden bildeten sich zahlreiche Turnvereine, die neben dem sportlichen Aspekt auch das Gemeinschaftsleben stärkten.

Standort des Fotografen: ???