Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Regina und Rudi van den Heuvel zur Verfügung.
Man bekommt fast den Eindruck, das ganze Städtchen ist auf den Beinen – zumindest der katholische Teil. Es ist Fronleichnam, die Sonne scheint, die Kastanie zwischen Gasthaus »Löwen« und der »alten Sonne« blüht. Auf dem oberen Rathausplatz ist ein Fronleichnamsaltar aufgebaut. Eine Schar Ministranten steht davor. Fahnen und Flambeaux sind zu erkennen. Vor allem neben dem Rathausbrunnen stehen die Gläubigen dicht gedrängt. Mit größerem Abstand stehen weitere Zuschauer*innen am Straßenrand.
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Regina und Rudi van den Heuvel zur Verfügung.
Eine schier endlose Fronleichnamsprozession bewegt sich die Hafnergasse (heute Kirchstraße) entlang. Die Häuser sind mit Tannenreisig und Fahnen geschmückt. Am linken Bildrand ist der Ökonomiebereich des Hauses Kuster zu erkennen, der 1963 abgerissen wird. Die Straße ist weder asphaltiert noch gepflastert, nur auf der Kreuzung verlaufen mehrere Regenrinnen. Etwa dort, wo sie zusammenlaufen, steht seit 1975 der Hexenbrunnen.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Werner Lubrich zur Verfügung.
Eine lärmende Schar Kinder läuft mitten auf der Unteren Hauptstraße durch das Städtchen. Das Geräusch ihrer Stimmen wird vom Lärm ihrer Skischuhe auf dem Straßenasphalt, dem Klackern der Skistöcke und dem Aneinanderschlagen ihrer Skier übertönt. Neben ihnen läuft der Wagnermeister Hermann Schelling (1914-?), der in seiner Werkstatt auch Skier vertreibt und repariert, sodass er auch unter dem Namen »Ski-Schelling« bekannt ist.
Skifahren erfreut sich in den 1960er Jahren großer Beliebtheit in Löffingen, was auch darin zum Ausdruck kommt, dass im November 1959 der Skiclub gegründet wird. Der Verein bezweckt von Anfang an die körperliche und psychische Gesundheit der Allgemeinheit durch Pflege und Förderung des Ski- und Wintersports. Seine Hauptaufgabe sieht der Verein im Zusammenschluß aller am Skisport interessierten Personen und in der skisportlichen Heranbildung und Weiterbildung der Jugend.
Diese Jugend ist auf dem Foto zu sehen: Der Nachwuchs ist auf dem Weg zu einem Skisportfest. Nur Schnee ist weit und breit keiner zu sehen! Die Kinderschar läuft gerade an der Bäckerei Willmann vorbei, an der ein Werbeschild der Schokoladenfirma Sarotti hängt, auf der der »Sarotti-Mohr« abgebildet ist. Rechts daneben ist der 1960 umgebaute und modernisierte Friseursalon von Hermann Geisinger zu sehen. Am rechten Bildrand parkt ein VW Käfer mit Neustädter KFZ-Kennzeichen.
Diese Radierung zeigt den Unteren Rathausplatz. Zu sehen ist am rechten Bildrand das Rathaus mit dem Kriegerdenkmal, in der Platzmitteder neue Demetriusbrunnen von 1954 und am linken Bildrand der Straßenzug der Demetriusstraße. Die Häuser wurden nach dem Großbrand 1921 entsprechend der Plänen der Wiederaufbaukommission neu erbaut. Das Mailänder Tor mit seinem Türmchen und die aufragenden Staffelgiebel wirken in den Augen des unkundigen Betrachters fast mittelalterlich. Vorne links ragt das Wirtshausschild des Gasthauses »zum Adler« ins Bild, was in der Realität in diesem Blickwinkel gar nicht möglich ist.
So schön die Radierung ist, so sehr ist ihr historischer Wert gering. Sie zeigt eine idealisierte Ansicht der 1960er Jahre. Der Platz war zu dieser Zeit bereits lange asphaltiert. Die Radierung erweckt aber den Eindruck, dass er gepflastert war. Realität in den 1960er Jahren war auch, dass der Platz von Autos zugeparkt war und dass durch das Städtchen der gesamte Verkehr der Bundesstraße 31 floss. In der Radierung fährt aber gerade eine Pferdekutsche durch das Bild. Man meint das Geklapper der Hufen und das Rattern der Holzräder auf dem Kopfsteinpflaster zu hören.
Heute wird die Ansicht vor allem als Motiv für die Werbung benutzt, sei es für den »Städtlesekt«, sei es für den »Städtlekaffee«. Sie dient dem Stadtmarketing.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Klaus Kinast zur Verfügung.
Vom Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Michael fällt der Blick über die Bahnlinie hinweg auf die Häuser der Rötenbacher Straße. Es handelt sich noch um eine Ausfallstraße, nur fünf Häuser stehen entlang der Straße. Zur Linken eröffnen sich weite Wiesen und Felder im Gewann »Breiten«.
Im Vordergrund ist das Haus von Ratschreiber Karl Zepf und seiner Ehefrau Maria geb. Biehler (Rötenbacher Str. 2) zu sehen. Das Ehepaar stirbt 1963 und 1966. An das Haus Zepf angebaut sind Dienstwohnungen der Deutschen Bundesbahn (Rötenbacher Str. 4). Darin wohnt Stationsvorsteher Willi Brendel (1907-2003) mit seiner Frau Johanna (1912-1990) und den Kindern.
Auf der anderen Straßenseite steht das Anwesen von Landwirt Anton Selb und seiner Ehefrau Hedwig geb. Oschwald (Rötenbacher Str. 3). Es folgt das Haus Limb (Rötenbacher Str. 5), das dem Schreinermeister August Limb gehört und nach seinem Tod von seiner Tochter Emma Binder geb. Limb übernommen wird. Daneben steht das Forstamt (Rötenbacher Str. 8), das 1907 erbaut wurde. Durch mehrere Bäume fast verdeckt ist das landwirtschaftliche Anwesen von Karl Benz zu sehen (Rötenbacher Str. 10). Als letztes Haus in der Straße steht die Villa von den Holzindustriewerken Josef Benz A.G. (Rötenbacher Str. 12).
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Gaby Vogt zur Verfügung.
Der Friseurmeister Julius Limb (1883-1968) ist ein Tausendsassa, aber seine besondere Leidenschaft gilt der Musik. Bis ins hohe Alter ist er ein aktiver Sänger. Auf dem Foto ist er zu Hause an seinem Klavier zu sehen, eine Notenpartitur in den Händen haltend.
Seit 1902 gehört Julius Limb dem Männergesangsverein »Eintracht« an. Viele Jahre versah er den Posten des ersten oder zweiten Vorsitzenden, immer wieder half er dem Verein auch als Vizedirigent aus. 1952 ernannte ihn der Verein deshalb zu seinem Ehrenmitglied. Zusammen mit Hermann Ganter, Friedrich Seilnacht und Albert Benitz bildete Julius Limb auch bis 1939 das »Baaremer Quartett«. Darüberhinaus ist er seit mehr als fünf Jahrzehnten Mitglied des katholischen Kirchenchores. Anlässlich seines 80. Geburtstages am 1. April 1963 wird er vom Diözesanverband der Cäcilienvereine für seine kirchenmusikalischen Verdienste geehrt.
Als Julius Limb 1968 im Alter von 85 Jahren stirbt, lautet die Überschrift des Nachrufs in der Lokalzeitung: »Über 67 Jahren dem Gesang treu geblieben«.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Familie Theiler zur Verfügung.
1870 wurde das zweistöckige Wohnhaus mit Scheuer, Stallung und Schopf »Bei des Mahlers Kreuz« in der heutigen Oberen Hauptstraße erbaut. Dieses Foto entstand rund 100 Jahre später, bevor das Haus teilweise abgerissen und vollständig umgebaut wurde, sodass es heute nicht mehr wiederzuerkennen ist.
Dem Landwirt und Straßenwart Karl Egle I und seiner Ehefrau Maria geb. Nüsser gehörte das Anwesen. 1970 übernahm es ihre Tochter Johanna Theiler geb. Egle (1924-2014) und ihr Ehemann Johann Theiler (1928-2018). Auf dem Foto ist eine steile Treppe zu sehen, die mehrere Stufen zur Haustür hinaufführt. Ein Kind steht neben dem Geländer, es hat sein Dreirad abgestellt. Frisch gewaschene Wäsche hängt an der Wäscheleine, die unter den beiden Fenstern gespannt ist. Ein Sofa steht vor dem Treppenaufgang. Entweder es soll ausgeklopft und grundgereinigt werden oder es wird entsorgt und steht für den Sperrmüll bereit.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Paul Heizmann zur Verfügung.
»Wenn man von Unadingen her nach Löffingen hereinkommt, fällt an einer Hauswand ein Freskobild auf. Es stellt den Ritter Heinrich von Löffingen dar, gleichsam als Beschützer der symbolisch angedeuteten Tore und Häuser des Städtchens. Darunter steht der Spruch: Löffingen in der Baar steht mehr denn tausend Jahr.« Mit diesen Worten beschreibt Karl Hasenfuß in seiner Stadtchronik 1953 das Wandgemälde am Haus von Franz Heitzmann (1900-?). Hasenfuß führt aus, dass im Jahre 1121 der Ritter Heinrich seine Güter im Dorf Löffingen an das Kloster St. Georgen vermacht habe.
50 Jahre später stellt Emil Ketterer in seiner Chronik von 2005 richtig, dass es sich bei diesem Heinrich um einen freien Bauer gehandelt habe. Demnach ist die Figur des Ritter Heinrich eine bloße Erfindung. Das Städtchen wie es auf dem Wandgemälde dargestellt ist, ist ebenso ein reines Phantasieprodukt: Zu sehen ist das 1923 erbaute Mailänder Tor zusammen mit dem 1819 abgerissenen Stadtturm.
Trotz aller historischen Ungenauigkeit ist das Wandgemälde aber bis heute ein echter Hingucker und gehört nach über 60 Jahren auch fest in das Stadtbild.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hedwig Kienzler zur Verfügung.
»Bei des Mahlers Kreuz«, lautete die Adresse von Familie Strobel im »Schlempental«. Der Gipsermeister Bernhard Strobel (1886-1970) und seine Ehefrau Anna Strobel (geb. Fehrenbach, 1886-1970) lebten hier mit ihren Kindern. Beide sterben im Jahr 1970, zunächst Bernhard Strobel am 15. März 1970. Seine Witwe Anna Strobel folgt ihm kurze Zeit später am 4. Juni 1970.
Ihre Tochter Hedwig Kienzler (geb. Strobel, geb. 1923), die mit dem Holzfacharbeiter August Kienzler (geb. 1914) verheiratet ist, lässt ihr Elternhaus 1968 abreißen und an seiner Stelle ein modernes Wohnhaus errichten. Das Foto entsteht kurze Zeit vor dem Abbruch.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Dieter Butsch zur Verfügung.
Aus einem Fenster des Hauses Fuß (Rathausplatz 5) fällt der Blick, halb verdeckt durch den Baum im Vordergrund, auf den unteren Rathausplatz. In seiner Mitte steht der 1954 errichtete neue Demetriusbrunnen. Der asphaltierte Platz dient darüber hinaus vor allem als Parkplatz. Mitten auf der Kreuzung steht eine große Straßenlaterne und ein Wegweiser mit holzgeschnitzten Schildern, aber auch standardisierten Hinweisschildern zum (neu gegründeten) »Wildpark« und zum »Waldbad«.
Im Gasthaus »Adler« befinden sich im Erdgeschoss noch die Geschäftsräume der Bezirkssparkasse Neustadt. 1970 wird die Sparkasse in den gegenüberliegenden Neubau (Demetriusstr. 13) umziehen. Hinter dem »Adler« ist die »Adler«-Scheune zu sehen, die im Frühjahr 1980 abgerissen wird. Daran schließt sich rechts die Metzgerei Butsch (Demetriusstr. 15) an.
Deutsche Luftbild KG, Hamburg-München / Sammlung Familie Waßmer
Vom Flugzeug aus fällt der Blick auf den oberen Rathausplatz, der vom 1832 errichteten Rathausgebäude, dem früheren Gasthaus »zur Sonne« und vom ehemaligen Fürstenbergischen Amtshaus (Rathausplatz 2 und 3) eingerahmt wird. Im Mittelpunkt des Bildes stehen die beiden traditionsreichen Gasthäuser »Ochsen« (Rathausplatz 12) und »Löwen« (Rathausplatz 11).
Vor allem der »Ochsen« wird wenige Jahre vollständig umgebaut, sodass sich sein Aussehen vollkommen verändert: 1968 wird der Zwerchgiebel beseitigt, das ganze Gebäude um ein Stockwerk aufgestockt und ein Staffelgiebel zum »Löwen« aufgemauert.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rene Egle zur Verfügung.
Verkleidete Kinder tümmeln sich auf dem unteren Rathausplatz. Es ist Fasnacht, vor dem Café Fuß ragt der Narrenbaum der 20-Jährigen in die Höhe. Eine Hexe beugt sich gerade runter zu einem kleinen Fasnachtsnarren. Vielleicht sagt er gerade eines der Fasnachtssprüchle auf, wie z. B.: »’S isch en Beck am Rothuus-Eck, / ma sait im nu de Fueßebeck. / Er streckt de A… zum Fenster us / und sait es isch ein Weck. / ‚S isch kon Weck , ’s isch kon Weck, / ’s isch de A… vom Fueßebeck. / Narro! «