Aufmarsch des BDM in der Unteren Hauptstraße, 1935

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rosel Konhäuser zur Verfügung.

Zu welchem Anlass im nationalsozialistischen Festkalender dieser Aufmarsch durch das Städtchen zieht, ist unklar. Der 1. Mai, der seit 1933 als »Tag der nationalen Arbeit« groß begangen wird, scheidet aus: Zu warm sind die Menschen auf dem Foto angezogen und zu wenig frühlingshaft sind die Bäume und Gärten im Hintergrund.

Denkbar wäre der »Heldengedenktag«, der am 5. Sonntag vor Ostern begangen wird, oder der »Gedenktag für die Gefallenen der Bewegung« am 9. November, mit dem das NS-Regime alljährlich an den gescheiterten Hitler-Putsch in München 1923 erinnert.

Das Foto zeigt den Aufmarsch des »Bund Deutscher Mädel« (BDM), des weiblichen Zweiges der »Hitlerjugend« (HJ). Darin sind im Sinne der totalitären Ziele des NS-Regimes die Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren organisiert. Zu diesem Zeitpunkt ist die Mitgliedschaft noch freiwillig, verpflichtend wird sie ab 1. Dezember 1936. Die Mädchen ziehen gerade am katholischen Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) vorüber, aus dem im Vorjahr Stadtpfarrer Guido Andris (1879-1974) gewaltsam vertrieben wurde. Hinter dem BDM folgt eine Musikkapelle.

Standort des Fotografen: 47.882782, 8.343563

Franz Benitz bei seiner Primiz, 7. April 1935

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Marie-Luise Schlenker zur Verfügung.

Nachdem Franz Benitz am 31. März 1935 durch den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht wurde, feiert er am 7. April in seiner Heimatgemeinde die Primiz. Er steht vor seinem Elternhaus in der Alenbergstraße. Von hier aus geht es in einer feierlichen Prozession in die katholische Pfarrkirche St. Michael, wo er die Messe zelebrieren wird. Das kleine Mädchen ist vermutlich Elisabeth Benitz (verh. Burger, 1930-2019).

Franz Benitz wurde am 2. April 1908 als Sohn des Weinhändlers Josef Benitz und dessen Ehefrau Anna geb. Glunk geboren. Er wuchs in einer »treukatholischen Familie« auf, wie es nach seinem Tod in einem Nachruf heißt. Nach seiner Priesterweihe ist er als Vikar in Sinzheim (bei Rastatt), Weingarten (bei Karlsruhe), Schwetzingen und Mannheim tätig.

Zur Wehrmacht wird er am 5. Dezember 1940 eingezogen. Drei Jahre befindet sich der Geistliche als Sanitäts-Obergefreiter an der Ostfront in der Sowjetunion. Er zieht sich dabei Fleckfieber zu. Die Krankheit kommt während eines Heimaturlaubs in Löffingen zum Ausbruch. Er wird daraufhin in das Lazarett nach Donaueschingen verlegt, wo er am 30. März 1944 im Alter von nur 36 Jahren stirbt. Seine letzte Ruhe findet er auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde.

Standort des Fotografen: 47.885222, 8.344212

3 Fotos: Aufführung auf der Bühne, Fasnacht 1935

Diese Fotos stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz sowie Elke Moser zur Verfügung.

Wenn das Fasnachtsmotto die »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus« lautet, dann verwandelt sich die Fasnachtsbühne vor dem Rathaus blitzschnell in den Hof des spanischen Königshauses. Schließlich versuchte der Seefahrer Christoph Kolumbus (1451-1506), der auf dem Seeweg nach Indien gelangen wollte, die Unterstützung des Königspaares Ferdinand II. von Aragón (1452-1516) und Isabella I. von Kastilien (1451-1504) für seine Pläne zu erhalten. Ein Adler kommt im Wappen des spanischen Königshauses zwar nicht vor, aber was soll’s, schließlich sind diese herrschaftlichen Kostüme von der Fasnacht 1927 noch vorhanden und machen allemal was her.

Der König ist ??? und die Königin Alma Egle.
Wer erkennt den Hofstaat?

Oberes Foto:
V.l.n.r.: ???, ???, ???, Martha Brugger (verh. Trenkle), ???, Rosalie Egle (verh. Konhäuser), …, ???, …, Franz Bader, ???

Mittleres Foto:
V.l.n.r.: Rosalie Egle (verh. Konhäuser), Josefa Roth (verh. Rappenegger), Else Fehrenbach (verh. Bader), Hilda Schultheiß (verh. Schulz), Berta Schwörer (verh. Kasprowicz), Maria Nägele, ???, Mina Rappenegger (verh. Schreiber)

Unteres Foto:
1.Reihe, v.l.n.r.:
2.Reihe, v.l.n.r.: ???, ???, Else Häusle (verh. Weiss), ???, Elise Schultheiß (verh. Würzburger), ???, …, ???, Franz Bader (2.v.r.), ???

Standort des Fotografen: 47.883924, 8.344760

Narrengruppe auf dem unteren Rathausplatz, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Auf das Mailänder Tor und das angrenzende Haus Werne ist das Datum gestempelt, als dieses Foto aufgenommen wurde: »3. März 1935«, also am »Fasnet Sundig«. Kostümierte Narren treiben sich auf dem unteren Rathausplatz herum. Vom eigentlichen Motto der diesjährigen Fasnacht, der »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«, ist nichts zu sehen.

Der Clown mit Sternen-Häs, der einen Hund mit sich führt, ist vermutlich Friseurmeister Julius Limb. Er hält die Laterne in seiner rechten Hand, auf die die 20-Jährigen vereidigt werden. Der Narr links ist Zimmermeister Eugen Fehrenbach (1901-1974).

Standort des Fotografen: 47.883894, 8.343842

Schulklasse der Gewerbeschule mit Lehrer Ehret, 1935

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Else Egle und Hermann Egle zur Verfügung.

25 Schüler und zwei Schülerinnen der Gewerbeschule haben sich in der Demetriusstraße vor der Freitreppe für ein Foto aufgestellt. In ihrer Mitte steht Gewerbelehrer Karl Ehret (1897-1974). Der Pädagoge ist bei seinen Schüler*innen äußerst beliebt.

Ehret ist seit 1919 als Lehrer in Löffingen tätig. Er unterrichtete zunächst an der Volksschule und ab 1923 an der Gewerblichen Fortbildungsschule. Verdienste erwirbt er sich auch beim Aufbau des Heimatmuseums in den Jahren 1934 bis 1937.

Wer erkennt die Schüler*innen?
1.Reihe, hockend, v.l.n.r.: ???, ???, ???
2.Reihe, v.l.n.r.: ???, Karl Binder (1921-?), ???, ???, ???, ???, Agathe Köpfler (verh. Jordan, 1922-1982), Albert Wehrle, Otto Geisinger (1921-2010)
3.Reihe, v.l.n.r.: Walter Egle (1920-2010), Anna Köpfler (verh. Zepf, 1920-2010), ???
4.Reihe, v.l.n.r.: ???, Alfred Egle (1920-2001), [Emil Kaltenbrunner (?-1941)]
5.Reihe, v.l.n.r.: Lehrer Karl Ehret
6.Reihe, v.l.n.r.:

Standort des Fotografen: 47.884265, 8.344998

Narrengruppe »Spanischer Hof« vor dem Gasthaus »Gebert«, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Hans-Martin Konhäuser und Elke Moser zur Verfügung.

Das diesjährige Fasnachts-Motto lautet: »Die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus«. Da darf natürlich das spanische bzw. kastilische Königshaus nicht fehlen, unternahm Kolumbus seine vier Entdeckungsreisen doch im Auftrag von König Ferdinand II. und Königin Isabella I. Die Narrengruppe auf dem Foto heißt denn auch »Spanischer Hof«. Doch statt vor einem Schloss stehen sie vor dem Gasthaus »Gebert« (Obere Hauptstr. 9).

Wer erkennt die Närrinnen und Narren?

1.Reihe, v.l.n.r.: ???, König ???, Königin Alma Egle, ???, Franz Bader, Else Bader
2.Reihe, v.l.n.r.: ???, ???, ???, Hilde Schultheiß (verh. Schulz), Martha Brugger (verh. Trenkle), Josefa Roth (verh. Rappenegger), Maria Nägele, Elisabeth Schultheiß (verh. Würzburger), Else Häusle (verh. Weiß)
3.Reihe, v.l.n.r.: Hermine Rappenegger (verh. Schreiber), …, Rosalie Egle (verh. Konhäuser)

Standort des Fotografen: 47.884413, 8.346561

Aufführung auf der Fasnachtsbühne vor der »Sonne«, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Das diesjährige Fasnachtsmotto lautet: »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«. Da überrascht es nicht, dass der obere Rathausplatz und die Fasnachtsbühne von zahlreichen »Indianern« bevölkert wird und vor dem ehemaligen Gasthaus »Sonne« Indianerzelte aufgebaut sind. Die Damen, die mit langen wallenden Gewändern rechts auf der Bühne stehen, gehören wohl zum Spanischen Hof.

Spätestens durch die »Winnetou«-Bücher von Karl May (1842-1912) sind klischeehafte Darstellungen der nordamerikanischen Ureinwohner äußerst populär. Winnetou ist ein fiktiver Häuptling der Apachen und verkörpert den edlen, guten »Indianer«, der mit seinem Gewehr »Silberbüchse« auf seinem Pferd »Iltschi« für Gerechtigkeit und Frieden kämpft. Er stellt damit eine Ausnahme dar, während andere »Indianer« als primitive Wilde gezeichnet werden.

Standort des Fotografen: 47.883935, 8.344702

Emma Limb mit Schlitten vor dem Haus Limb, 1935

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Daniela Scherzinger zur Verfügung.

Auch Erwachsene können offenbar Spaß beim Schlittenfahren haben. Vor dem Haus von Schreinermeister August Limb (Rötenbacher Str. 6) steht eine junge Frau, die mit ihrem Holzschlitten loszieht. Es ist die 21-jährige Tochter Emma Limb (verh. Binder, 1913-2005). Es liegt Schnee und die Sonne scheint. Also bestes Wetter zum Rodeln, vielleicht ja an der nahe gelegenen »Wanne«.

Standort des Fotografen: 47.882163, 8.341594

Narrenschiff »St. Lucia« in der Oberen Hauptstraße, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Das Segel ist gesetzt. Die »St. Lucia« nimmt Kurs auf das »Scharfe Eck«. Es ist Fasnacht und der liebevoll gestaltete Umzugswagen bewegt sich die Obere Hauptstraße hinauf. Soeben kommt er am Gasthaus »Ganterbräu« (Obere Hauptstr. 4) vorbei. Das Motto der diesjährigen Fasnacht lautet: »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«. Dabei hieß keines seiner Schiffe »St. Lucia«.

Im Hintergrund ist eine große Menschenmenge auf dem oberen Rathausplatz vor dem ehemaligen Gasthaus »Sonne« versammelt. Offenbar sind Kanonen im Einsatz, denn es raucht und qualmt kräftig.

Standort des Fotografen: 47.884506, 8.345618

Umzug »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

»Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«, lautet das Fasnachtsmotto 1935. Dabei war Christoph Kolumbus gar nicht der erste Europäer, der den amerikanischen Kontinent betrat. Außerdem glaubte er bis zu seinem Tod irrtümlich, einen Seeweg nach Indien entdeckt zu haben. Folglich nannte er die indigene Bevölkerung Amerikas »Indianer«, ein kolonialistischer Begriff, der beibehalten wurde und teilweise bis heute verwendet wird.

Über den oberen Rathausplatz bewegt sich das Flaggschiff von Kolumbus, die »Santa Maria«. Viel Rauch steigt auf, schließlich sind Kanonen im Einsatz. Die Seefahrer kommen nicht als Entdecker, sondern als Eroberer. Davor marschiert eine Gruppe »Indianer«, wie man sich unzivilisierte »Wilde« vorstellt. Ganz vorneweg ist »Uncle Sam« zu sehen, eine Nationalallegorie für die Vereinigten Staaten. Er trägt einen Zylinder und eine – eigentlich gestreifte, aber hier – karierte Jacke.

Standort des Fotografen: 47.884122, 8.345024

Handharmonika-Orchester, 1935

Aus: Festschrift »25 Jahre Handharmonika-Spielring Löffingen und Umgebung, 1957-1982«

Bereits 1934 wurde ein Handharmonika-Spielring gegründet. Die Initiative dazu hatten der Hafnermeister Josef Bader und der Steinmetzmeister Karl Häusle ergriffen. Zu ihnen gesellte sich der Bäckergeselle (und spätere Bäckermeister) Wilhelm Willmann, der nach der Vereinsgründung auch als Dirigent fungierte. Die Gruppe fand schnell weitere Anhänger und umfasste schließlich zehn Spieler, die nicht nur in Löffingen, sondern auch in umliegenden Dörfern wohnten.

Auf dem Foto zu sehen sind: Paul Benz (Seppenhofen), Eugen Hepting (1921-2011), Erich Sibold, Paul Bausch (Seppenhofen), Franz Vogt (*1920), Maria Nägele (Mitte), Dirigent Wilhelm Willmann (*1910), Artur Egle, Rudolf Wider (vorne rechts im Gras), Otto Willmann (Döggingen), Fritz Nägele (1918-1946).

Standort des Fotografen: ?

Narrengruppe »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«, Fasnacht 1935

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Carola Hannes zur Verfügung.

»Entdeckung Amerikas durch Kolumbus«, lautet das Fasnachtsmotto 1935. Vor dem »Stadtbau« auf dem oberen Rathausplatz steht eine Gruppe kostümierter Närrinnen. Sie gehören der Damenriege des Turnerbunds an.

V.l.n.r.: Rosa Adrion, ???, Elisabeth Hepting geb. Münzer, ???, Karolina Auer

Entsprechend des Mottos haben sie sich als »Indianer« verkleidet. Freilich geht es ihnen nicht um eine Beschäftigung mit realen indigenen Völkern Nordamerikas, sondern um ein Stereotyp.

Bereits im Kaiserreich hatte sich in Deutschland eine breite Rezeption der »Indianer« entwickelt. Sie fand ihren Ausdruck in der Literatur, vor allem in den »Winnetou«-Romanen von Karl May, in Völker- und Wild-West-Schauen, aber auch in den ersten Western-Filmen, die im Kino liefen. Indianer- und Cowboyspiele erfreuten sich seitdem größter Beliebtheit und die Darstellung von »Indianern« gehört bis heute zum festen Repertoire von Fasnachtskostümen. Charakteristisch für das »Indianerbild« ist, dass es zwischen Verehrung und Verächtlichmachung schwankt.

Standort des Fotografen: 47.884145, 8.345267