2 Fotos: 20-Jährige im Stadtwald, Fasnacht 1968

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Beate Lubrich zur Verfügung.

Ein enger Raum aus Holz. In der Mitte ein Ofen, aus dem wohlige Wärme strömt. Es ist ein Ort, an dem man sich sammelt und aufwärmt, bevor es wieder hinausgeht in die Kälte. Um den Ofen herum stehen sie dicht beieinander: eine Gruppe junger Leute, lachend, ein wenig übermütig, ganz offensichtlich mitten in der Fasnacht. Einer hat eine Flasche in der Hand, ein anderer trägt einen Hut. Die Stimmung ist gelöst und vertraut. Ein wichtiger Hinweis hängt um den Hals einer jungen Frau: Ein Täfelchen mit der Aufschrift »20«. Damit ist klar, wer hier feiert – der Jahrgang 1947/48 der 20-Jährigen. Vermutlich sind sie im Stadtwald unterwegs, um den Narrenbaum zu schlagen.

oberes Bild
1.Reihe, v.l.n.r.:
1 Inge Kienzler (verh. Riedlinger), 2 Georg Willmann, 3 Monika Bader, 4 Bernhard Heizmann
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Stefanie Fehrenbach (verh. Zierow), 2 Rudi Selb, 3 Christina (Loni) Sibold, 4 Bärbel Benz (verh. Rendina)

Standort des Fotografen: ???

Haus Geiss am Reichberg, ca. 1969

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Hoch über dem Städtchen, am Rand des jungen Neubaugebiets in der »Breiten« und am »Reichberg«, steht dieses Haus wie ein selbstbewusstes Statement der späten 1950er. Klare Linien, ein flach geneigtes Dach, große Fensterflächen – die Architektur wirkt sachlich und modern. Während ringsum noch Satteldächer und traditionelle Formen dominieren, setzt das Haus Geiss (Am Reichberg 2a) einen deutlichen Akzent.

Auf der winterlichen Aufnahme liegt der Schnee schwer auf den Hecken und dem kleinen Nadelbaum im Vorgarten. Das Gebäude scheint regelrecht aus der weißen Landschaft herauszuwachsen. Hinter den breiten Fenstern mit den zugezogenen Gardinen ahnt man das Familienleben.

Hier wohnt seit Ende der 1950er Jahre der Chefarzt des Löffinger Krankenhauses, Dr. med. Otto Geiss (1929–1972), mit seiner Familie. Die Stadt hatte den Chirurgen und Gynäkologen zum 1. September 1958 berufen. Geiss stammt aus Dietenheim an der Iller und war zuvor in Ravensburg tätig. Mit ihm gewinnt das Krankenhaus einen engagierten Mediziner, unter dessen Leitung die Klinik durch mehrere An- und Umbauten erweitert und modernisiert wird. Er gilt als unermüdlich: Tag und Nacht, an Werktagen wie an Sonn- und Feiertagen ist er im Einsatz. Viele Patient*innen und Patienten schätzen seine fachliche Kompetenz, aber auch seine Zugewandtheit.

Am 4. Juli 1972 stirbt Dr. Geiss überraschend an seinem Arbeitsplatz an einem Herzschlag. Er wird nur 53 Jahre alt. Die Nachricht erschüttert nicht nur das Städtchen, sondern die gesamte Region. Zurück bleiben seine Ehefrau Hildegard und die vier Kinder Elisabeth, Monika, Bernd und Martin, zwischen neun und 17 Jahre alt.

Standort des Fotografen: 47.880113, 8.342172

Hexengruppe beim Umzug in der Bahnhofstraße, Fasnacht 1966

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hans-Peter Hepting zur Verfügung.

Mitten auf der Bahnhofstraße haben es sich zwei Hexen auf dem Asphalt gemütlich gemacht – oder besser: sie lauern. Die eine liegt flach auf dem Bauch, den Besen quer vor sich, die andere hockt daneben, den Reisigbesen fest in beiden Händen, bereit zum nächsten Streich. Ihre geschnitzten Holzmasken mit den weit aufgerissenen Augen und den markanten Nasen wirken unheimlich.

Im Hintergrund naht der Rest der Hexengruppe mit dem Hexenwagen. Der Rhythmus des Umzugs scheint fast hörbar: das Schaben der Besen auf dem Asphalt, das Rufen, das Lachen der Zuschauer*innen am Straßenrand. Zwei Männer stehen etwas abseits auf dem Gehweg und beobachten das närrische Treiben mit verschränkten Armen – vielleicht schmunzelnd, vielleicht schon auf der Hut vor dem nächsten Besenstreich.

Standort des Fotografen: 47.882416, 8.343145

Feierlicher Auszug nach der Primiz aus der Kirche, 6. Mai 1962

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Ursula Moch-Weiss zur Verfügung.

Am Sonntag, den 6. Mai 1962, feiert Pater Alfred Benz seine Primiz in seiner Heimatgemeinde. Die Ordensprimiz hat er bereits kurz zuvor begangen, nun folgt die Heimatprimiz. Die Festpredigt hält Pater Valerian, ein Onkel des Neupriesters, der als Eugen Benz (1896-1986) in Löffingen geboren wurde. Musikalisch wird der Festgottesdienst vom Kirchenchor feierlich umrahmt.

Nach dem Gottesdienst setzen sich die Ministranten und Geistlichen zum Auszug in Bewegung. Unter den Klängen des Kirchenliedes »Großer Gott wir loben Dich« zieht der Neupriester gemeinsam mit seinem Onkel Pater Valerian und Stadtpfarrer Karl Weickhardt (1905-1977) aus der Kirche. Vorneweg schreiten die Ministranten. In den Schülerbänken stehen links die Mädchen, rechts die Jungen. Neugierig drehen sich viele von ihnen zum Fotografen um.

Unter den Ministranten sind Fritz Isele und Alfons Zimmermann sowie Peter Rieck, Wilfried Münzer, Gerhard Pfeifer, Christian Bayer und Walter Hauser zu sehen. In der Mitte steht Meßmer Gerhard Scholz (1925-1998).

Standort des Fotografen: 47.882468, 8.344436

Kindergruppe im Gasthaus »Linde«, ca. 1960

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Christoph Müller und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Die Kinder stehen im Gasthaus »Linde« dicht beieinander. Einer scheint gerade einen Witz gemacht zu haben, denn mehrere Gesichter sind mitten im Lachen eingefroren. Die Gruppe setzt sich aus Mädchen und Jungen der Jahrgänge 1947 bis 1952 zusammen. Ordentlich gekleidet stehen sie zwischen Tischen und Stühlen, die für Erwachsene gemacht sind. Die Großen stehen hinten, die Kleinen vorne.

Was genau der Anlass dieses Zusammenseins ist, bleibt offen. Wird hier ein Kindergeburtstag gefeiert? Vielleicht von einem der Kaltenbrunner-Kinder? Und wenn ja – welches Kind steht heute im Mittelpunkt? Sicher ist nur: Es ist ein besonderer Moment.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Manfred Kaltenbrunner, 2 Marlies Müller (verh. Eberle, geb. 1951), 3 Franz Müller (geb. 1952), 4 Marianne Kaltenbrunner (verh. Löffler), 5 Gretel Bader (verh. Kaltenbach, geb. 1952)
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 Veronika Kaltenbrunner (verh. Ruf, geb. 1951), 2 Rosmarie Bader (verh. Straub, geb. 1949), 3 Christel Mayer (verh. Wehrle, geb. 1949), 4 Alice Mayer (verh. Ganter, 1947-2026)

Standort des Fotografen: 47.884219, 8.346500

Organistin Johanna Rebholz, Mai 1962

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Klemens Rebholz und Cäcilia Runge zur Verfügung.

Johanna Rebholz (geb. Ganter, 1913-2003) sitzt an der Orgel, den Blick auf die Noten gerichtet, die Hände sicher auf den Tasten. Kaum jemand sieht sie hier oben auf der Orgelempore der katholischen Kirche St. Michael, denn dieser Bereich bleibt meist dem Kirchenchor vorbehalten. Und doch ist sie allen Kirchgängerinnen und Kirchgängern vertraut: Seit Jahrzehnten prägt ihr Spiel die Gottesdienste der katholischen Pfarrgemeinde Löffingen.

Johanna Rebholz spielt seit 1937 die Orgel. Dass sie dieses Amt übernahm, war keineswegs geplant. Als 23-Jährige sprang sie spontan ein – ohne formale Ausbildung. Am 23. März 1937 traf sich der Kirchenchor, dem sie bereits seit zehn Jahren angehörte, zur Gesangsprobe. Der Chorleiter und Organist, Hauptlehrer Emil Willig, erschien nicht. Der NSDAP-Kreisleiter hatte ihm untersagt, seinen kirchlichen Dienst weiter auszuüben, sofern er seine Stelle als Lehrer nicht gefährden wollte. Schneidermeister Hermann Ganter übernahm daraufhin die Leitung des Chores und bestimmte kurzerhand seine Nichte Johanna Ganter zur Organistin. In den folgenden Monaten und Jahren erhielt sie Orgelunterricht von ihrem Cousin August Ganter, der 1933 zum Priester geweiht worden war und als Pfarrer in Ewattingen wirkte. Unterstützt wurde sie zudem von Schreinermeister August Limb, der sich als versierter Registrateur an der Orgel erwies.

Als dieses Foto am 5. Mai 1962 anlässlich der Primiz von Pater Alfred Benz entsteht, wirkt Johanna Rebholz bereits seit 25 Jahren als Organistin. Sie sitzt noch an der »alten Orgel«. Wenige Jahre später, bei der Kirchenrenovierung 1968/69, wird die Orgelempore abgerissen. Die alte Orgel verlässt Löffingen und wird am 15. Januar 1969 nach Überlingen überführt. Stattdessen erhält die Kirche eine neue 30-Register-Orgel der Firma Orgelbau Schwarz (Inhaber Eugen Pfaff), wobei die alten Pfeifen weiterverwendet werden. Johanna Rebholz muss sich zunächst an das neue Instrument gewöhnen. Doch sie bleibt der Kirchenmusik treu. Über weitere zwei Jahrzehnte engagiert sie sich mit großer Hingabe. Nicht selten zieht sie sich abends oder nachts allein in die Kirche zurück, um Orgelmessen einzustudieren und zu üben. Ihr Wirken bleibt meist im Hintergrund – und ist doch aus dem musikalischen Leben der Gemeinde nicht wegzudenken.

Standort des Fotografen: 47.882533, 8.344125

»Tännlewieber« vor einer Schutzhütte im Stadtwald, ca. 1960

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Konrad Kuster zur Verfügung.

Das Lachen ist ansteckend. Vor einer hölzernen Schutzhütte im Stadtwald haben sich die »Tännlewieber« zusammengefunden, dicht gedrängt, vertraut miteinander, einige in Arbeitskitteln und Schürzen, andere mit Kopftuch oder Strickjacke. In der Mitte vorne sitzt ein Junge, rechts steht Förster Werner Lubrich (1927-2010) – ein seltenes Gruppenfoto aus dem Arbeitsalltag, aufgenommen um 1960.

Der Wiederaufbau nach dem Krieg ist weitgehend abgeschlossen, der Wald, der von der französischen Besatzungsmacht in der Nachkriegszeit ziemlich abgeholzt wurde, wird neu aufgebaut und gezielt gepflegt. Die Frauen leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Forstarbeit. Sie pflanzen junge Bäume, pflegen Kulturen, räumen Schlagabraum. Die Arbeit ist körperlich fordernd. Doch für einen Augenblick ruht die Arbeit, es wird gelacht und gescherzt. Die Atmosphäre ist gelöst, beinahe familiär. Die Kleidung ist moderner, die Farben bringen Leben ins Bild.

1.Reihe, hockend: 1 ???
2.Reihe, hockend, v.l.n.r.: 1 Edith Koch (verh. Biedenbach), 2 Käthe Kaufmann (geb. Nägele), 3 Rosemarie Scholl (Dittishausen), 4 Marlies Laufer
3.Reihe, v.l.n.r.: 1 Anneliese Heitzmann (geb. Mayer), 2 [Brunhilde Heiler (geb. Hofmaier, 1931-2004)?], 3 Margret Beha (verh. Marx), 4 ???, 5 Luise Heizman (geb. Siebler, 1914-1970), 6 Walburga Olveira (geb. Bächle, Dittishausen), 7 Förster Werner Lubrich (1927-2010)
4.Reihe, v.l.n.r.: 1 Gerda Rappenegger (verh. Fehrenbach, geb. 1943), 2 ???, 3 ???, 4 Elise Braun (1910-?), 5 ???, 6 ??? Fürderer (Dittishausen), 7 Berta Rappenegger (verh. Mayer)

Standort des Fotografen: ???

DRK-Schauübung beim Schulweg, Juni 1963

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Jutta Knöpfle zur Verfügung.

Löffingen hat gleich doppelt Grund zu feiern: Die Feuerwehr begeht ihr 100. Gründungsjubiläum und der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes existiert ebenfalls bereits seit einem halben Jahrhundert. Vom 15. bis 17. Juni 1963 findet anlässlich des Doppeljubiläums ein dreitägiges Festprogramm statt.

Am Sonntag, den 16. Juni, wird um 11 Uhr bei der Volksschule eine große Schauübung der DRK-Bereitschaft veranstaltet. In Windeseile errichten die Helfer*innen ein Zelt und beginnen, Verletzte medizinisch zu versorgen – eine Demonstration der Einsatzfähigkeit und Organisation des Roten Kreuzes. Das Foto wird aus einem Fenster der Festhalle heraus aufgenommen. Der Blick fällt hinunter auf die Festhallenstraße und den Schulweg.

Rund um das Zelt hat sich eine große Menschenmenge versammelt. Männer und Frauen aller Altersgruppen verfolgen das Geschehen. Die weiße DRK-Fahne, die am linken Bildrand im Wind weht, unterstreicht den repräsentativen Charakter der Veranstaltung. Im Hintergrund erstreckt sich die damals noch unbebaute »Linde«-Wiese mit Obstbäumen, die zum gleichnamigen Gasthaus gehört. Wenige Jahre später wird auf diesem Gelände zunächst der Kindergarten und später auch die Realschule errichtet. Auch die Häuser in der Bittengasse und des Altstadtrings sind aus dieser Perspektive zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883149, 8.347957

Umzugswagen der 20-Jährigen, Fasnacht 1969

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gertrud Werner zur Verfügung.

Die 20-Jährigen haben sich für ihren Umzugswagen ein aktuelles Fernsehthema vorgenommen: »Der goldene Schuß«. Die beliebte TV-Show läuft seit 1964 im deutschen Fernsehen und ist vielen Zuschauer*innen ein Begriff. Auf dem Wagen ist der Titel groß angeschlagen, daneben prangt eine Zielscheibe, wie sie in der Sendung für den berühmten Armbrustschuss verwendet wird. Schließlich lautet das diesjährige Fasnachtsmotto: »Närrischer Bildschirm«.

Der Wagen wirkt wie ein nachgebautes Fernsehstudio: Ein erhöhter Podestbereich, davor Sitzplätze, seitlich Absperrungen. Mehrere Mitwirkende haben sich als Kandidat*innen, Moderator oder Publikum verkleidet. Darüber hängt ein Schild mit der Aufschrift »Teletell 20«, das augenzwinkernd die »Technik« der 20-Jährigen bezeichnet.

Der Zug bewegt sich über den oberen Rathausplatz, vorbei am früheren Gasthaus »Sonne«.

Standort des Fotografen: 47.883766, 8.344762

3 Fotos: Frauengruppe bei einem lustigen Kaffeekränzchen, 1964

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Zuerst sitzen die Frauen noch ganz gesittet beisammen. Vor ihnen auf dem Tisch stehen Kuchen, Torten und die gute Kaffeekanne mit Kaffeeservice. Im Hintergrund hängen gerahmte Bilder, die einiges über den Zeitgeist verraten: Ein Kunstdruck des berühmten »Feldhasen« (1502) von Albrecht Dürer, daneben ein Blumenstillleben, das eine sommerliche Landschaft in den Raum holt.. Alles wirkt ordentlich, so wie es sich für ein Kaffeekränzchen gehört.

Doch schon wenig später hält sich niemand mehr an förmliche Zurückhaltung. Aus dem ernsten Gruppenbild wird eine Szene voller Gelächter: eine der Frauen liegt halb über den Schoß der anderen, Köpfe fallen einander an die Schulter, Hände werden vor Lachen vors Gesicht geschlagen. Es ist ein ausgelassenes, fröhliches Durcheinander, das zeigt, wie vertraut diese Frauenrunde miteinander ist. Ein paar Stücke Kuchen, eine Tasse Kaffee und die richtige Gesellschaft reichen, um einen glücklichen Nachmittag zu erleben.

oberes Bild
V.l..n.r.:
1 [Stefanie Heiler?], 2 Anna Jordan (geb. Fehrenbach, 1907-1982, Wirtin »Küferstüble«), 3 Emma Butsch (geb. Maier, 1886-1971), 4 Maria Schweizer (geb. Ganter (1909-?), 5 Olga Geisinger (geb. Schmutz), 6 Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-?), 7 Cäcilie Rosenstiel (geb. Winterhalter, 1901-?)

mittleres Bild
V.l.n.r.:
1 Maria Schweizer (geb. Ganter, 1909-?), 2 Olga Geisinger (geb. Schmutz), 3 Elisabeth Hepting (geb. Münzer, 1897-?), 4 Cäcilie Rosenstiel (geb. Winterhalter, 1901-?), 5 Rosa Henzler (geb. Winterhalder, 1900-?), 6 ??? Duttlinger (Seppenhofen)

Standort des Fotografen: ???

Rauchfahne vom Benz-Kamin über dem Reichberg, 1967

Stadtarchiv

Eine dunkle Rauchfahne steigt in den Himmel. Der Kamin des Sägewerks Benz tut, was er immer tut: Er pustet die Abgase der Holzverarbeitung in die Luft, und die ziehen dann, je nach Windrichtung, über das Städtchen. Der Fotograf dieses Bildes ärgert sich darüber mächtig. Auf die Rückseite seines Fotos notiert er bissig: »Atmosphärischer Beitrag des Holzverarbeitungswerkes zum Luftkurort Löffingen. Aufnahme morgens gegen 8 1/2 Uhr, Frühjahr 1967«. Um seinen Ärger loszuwerden, reicht er die Aufnahme gleich an die Stadtverwaltung weiter – so wandert sie später in die Akten und irgendwann in das Stadtarchiv.

Für viele Löffinger aber bedeutet das Sägewerk Benz nicht Qualm und Belästigung, sondern Arbeit und Brot. Es ist ein Betrieb, der über Jahrzehnte Menschen beschäftigt, ihren Alltag prägt und auch das Ortsbild mitbestimmt. Kritik an den Rauchfahnen dürften manche daher kaum nachvollziehen können. Dass aber eine bessere Filterung der Abgase aus Gründen des Umweltschutzes dringend geboten wäre, steht auf einem anderen Blatt. Fünf Jahre später hat sich die Sache erledigt: Im November 1972 verliert der Kamin seinen Zweck, denn das Sägewerk stellt den Betrieb ein.

Standort des Fotografen: 47.879278, 8.338611

7 Fotos: Vorbereitungen für Blutspendeaktion des Roten Kreuzes, 1968

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Lore Fehrenbach und Michael Fehrenbach sowie Beate Lubrich zur Verfügung.

Auf den Tischen stapeln sich Teller, Brote und Aufschnitt, in der Luft liegt der Geruch von Wurst, Käse und frischem Brot. Vor allem Frauen, gekleidet in weiße Kittel und Schürzen, schneiden, schmieren, belegen und richten an – jede Handbewegung sitzt. In der Küche der Volksschule herrscht geschäftiges Treiben, Lachen und kurze Zurufe begleiten die Arbeit. Der Ortsverein des Roten Kreuzes bereitet sich auf den zweiten Blutspendetermin vor. Im Vorjahr hatte man am 8. Mai 1967 zum ersten Mal eine Spendenaktion für den Blutspendedienst Baden-Württemberg durchgeführt – mit großem Erfolg. Nun heißt es, die noch größere Zahl von Spender*innen zu versorgen. Denn wer sein Blut gibt, soll hinterher auch eine Stärkung bekommen: Brote mit Wurst oder Käse, dazu eine warme Suppe.

Eine Blutspendeaktion braucht nicht nur medizinisches Personal zur eigentlichen Blutabnahme, sondern auch dieses stille Engagement hinter den Kulissen. Ohne das unermüdliche Schneiden, Spülen und Anrichten wäre die Aktion gar nicht möglich. Mit dabei sind Mitglieder des DRK-Ortsvereins, aber auch des gerade erst gegründeten Jugendrotkreuzes – der Einsatz verbindet Generationen.

Zu sehen sind u.a. Justina Sauter (geb. Brett, 1900-1994), Lore Fehrenbach, Beate Lubrich, Annemarie Hepting (verh. Kiermeier), Else Dieterle, Doris Echtle (verh. Winkler), Paul Schorndorf

Ab 1973 werden jährlich zwei Blutspendeaktionen im Frühjahr und im Herbst durchgeführt. Im November 1972 kann der*die 1.000 Spender*in geehrt werden.

Standort des Fotografen: 47.882530, 8.347733