2 Fotos: Franz Rosenstiel auf Heimaturlaub mit Freunden, 1944

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Der Zweite Weltkrieg dauert bereits fünf Jahre. Franz Rosenstiel (1927-2006) ist Soldat in der Wehrmacht und für ein paar Tage auf Heimaturlaub. Er ist mit dem Eisernen Kreuz dekoriert. Bevor es wieder zurück in den Krieg geht, trifft er sich mit Freunden, von denen einige ebenfalls Soldaten sind. Man kommt nicht bei Rosenstiels zusammen, sondern bei den Nachbarn, nämlich bei Maurer Karl Friedrich Schmutz (1876-1947) und Karolina Schmutz geb. Hirt (1889-1970). Die jungen Männer sitzen in der Küche beisammen und picheln Apfelmost.

Oberes Foto, v.l.n.r.: Ernst Egy, [Paul Groß (?-1944 verm.)], Franz Rosenstiel, ???, ???, Walter Köpfler (1927-1944)
Unteres Foto, v.l.n.r.: Ernst Egy, ??? Franz Rosenstiel

Standort des Fotografen: 47.885290, 8.352979

Franz Rosenstiel in der Volksschule, 1933

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

An Ostern 1933 wird der 6-jährige Franz Rosenstiel (1927-2006) in die Volksschule eingeschult, die sich noch im Rathaus befindet. Das gestellte Foto wird im Klassenzimmer aufgenommen. Der Erstklässler sitzt an einer hölzernen Schulbank, sein Buch aufgeschlagen, den Finger auf einer Zeile, damit er nicht verrutscht, und blickt aufgeweckt in die Kamera. Vor ihm im Tisch ist eine Vorrichtung für das Tintenfass. Im Hintergrund ist das Lehrerpult und eine große Schiefertafel zu erkennen.

Franz Rosenstiel, geboren am 8. Januar 1927, wohnt mit seinen Eltern Robert Rosenstiel und Cäcilie Rosenstiel geb. Winterhalder im »Schlempental«.

Standort des Fotografen: 47.883841, 8.344205

Kinder vor dem Haus Rosenstiel in der Oberen Hauptstraße, ca. 1934

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Vor dem Haus Rosenstiel (Obere Hauptstr. 45) hat es sich eine Schar Kinder auf der Treppe gemütlich gemacht. Franz Rosenstiel (1927-2006), der Sohn der Hausbesitzer, sitzt eingerahmt von seinen gleichaltrigen Spielkameradinnen Friedel Schmutz (verh. Ortlieb, geb. 1928) und Rosa Nägele. Der ältere Junge ist Albert Henzler (1923-1943), der am 6. September 1943 im Alter von 20 Jahren im Lazarett in Smolensk stirbt.

Die Erwachsenen im Hintergrund sind Franz Rosenstiels Großeltern Robert Winterhalder (1871-1940) und Sofie geb. Widmann (1870-1945). Das Haus Rosenstiel brannte wenige Jahre zuvor, nämlich am Ostersamstag 1930, bis auf die Grundmauern nieder und wurde dann neu erbaut.

Standort des Fotografen: 47.885255, 8.352737

Aufhängen der Weihnachtsdekoration am Rathausplatz, ca. 1995

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Gerhard Pfeifer zur Verfügung.

»Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!« Im Korb der Feuerwehrleiter steht Gerhard Pfeifer (geb. 1947) und hat alle Hände voll zu tun, um die Weihnachtsdekoration vom Haus Burghard (Rathausplatz 3) zum Rathaus hinüber zu spannen. Ein kurzer Test zeigt, dass die Glühbirnen tatsächlich funktionieren und die Lichterkette wunderbar leuchtet. Sobald es dunkel wird, heißt es: »Allüberall auf den Tannenspitzen / Sah ich goldene Lichtlein blitzen«.

Standort des Fotografen: 47.883997, 8.344438

Häuser in der hinteren Alenbergstraße, ca. 1969

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Die Alenbergstraße ist tief verschneit. Die Wintersonne scheint, aber der Himmel ist von dunklen Wolken verhangen. Vielleicht wird bald ein neuer Schneeschauer runtergehen? Der Blick fällt auf die Häuser in der hinteren Alenbergstraße bis zur Wallfahrtskirche Witterschneekreuz am Horizont.

Die Mehrzahl der Häuser wurde in den 1860er Jahre gebaut. Jüngeren Baujahrs ist nur das Haus im Vordergrund (Alenbergstr. 27), das 1931 errichtet wurde. Daran schließen sich die einstöckigen Häuser von Maler Eugen Hepting (Alenbergstr. 29), von Landwirt Johann Kaltenbrunner (Alenbergstr. 31) und schließlich von der Witwe Maria Schäfer (Alenbergstr. 33) an.

Standort des Fotografen: 47.887056, 8.342448

Unterer Rathausplatz, ca. 1968

Sammlung Familie Waßmer

Dieser Blick zählt alle Jahrzehnte hindurch zu den beliebtesten Motiven für Ansichtskarten: Von der Unteren Hauptstraße fällt der Blick zum unteren Rathausplatz in Richtung Mailänder Tor. Die Perspektive ist so gewählt, dass am linken Bildrand das schmiedeeiserne Wirtshausschild vom Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2) in das Foto ragt. Darunter hängen weitaus weniger schmuckvolle Werbeschilder, die für »Fürstenberg«-Bier und »Fremdenzimmer« werben. Auch die »Bezirks-Sparkasse« wirbt für ihre Filiale, die sich im Erdgeschoss des »Adlers« befindet. Am rechten Bildrand schließt das Foto mit dem Giebel vom Café Fuß (Rathausplatz 5) ab, das markant am Platz aufragt.

Im Mittelpunkt des Bildes steht das Mailänder Tor mit seinem Glockentürmchen und Staffelgiebeln sowie die angrenzenden Häuser der Demetriusstraße, die den Stadtring bilden. Obgleich die Staffelgiebel auf dem Foto erst im Rahmen des Wiederaufbauprogramms nach dem Großbrand 1921 erbaut wurden, geben sie dem Straßenzug ein mittelalterliches Gepräge. Und der Demetriusbrunnen im Vordergrund sorgt dafür, dass auch der Platz für die Ansichtskarte belebt ist.

Das Foto wird in den späten 1960er Jahre aufgenommen. Denn das Haus des Mechanikermeisters Karl Müller (Demetriusstr. 13) steht noch: Es brennt am 17. Oktober 1969 ab. Auf der Verkehrsinsel auf der Platzmitte ist ein Wegweiser zum 1968 eröffneten »Wildpark« zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883553, 8.343779

Kirchenchor mit Pfarrer Litterst, ca. 1994/94

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Christa Egle und Hans-Peter Hepting zur Verfügung.

39 Jahre lang leitet Willy Burger (1928-2021) den Kirchenchor, davon 26 Jahre lang als Dirigent. Vermutlich zu seiner Verabschiedung entsteht dieses Gruppenfoto zusammen mit den Mitgliedern des Kirchenchores. Sie stehen vor dem Hochaltar in der katholischen Pfarrkirche St. Michael. Mit auf das Foto gestellt sich Stadtpfarrer und Dekan Hermann Litterst (1929-2013), der von 1977 bis 1999 in der Pfarrei als Seelsorger wirkt.

1.Reihe, v.l.n.r.: Margarete Senn, Sabine Fuß (Organistin), Rita Schönau, Helga Schröter, Angelika Ganter, Pia Durst geb. Burger, Lilli Obalski, Walburga Gauger, Helga Wider, Margarete Adrion, Lore Fehrenbach

2.Reihe, v.l.n.r.: Agnes Beha, Inge Hasenfratz, Renate Rosenfelder, Franziska Heiler, Elisabeth Burger geb. Benitz (1930-2019), Willy Burger (1928-2021), Hermann Litterst, ???, Bertel Burger, Lotte Ratzer, Hedwig Hepting

3.Reihe, v.l.n.r.: Liesel Wider, Elfriede Krämer, Emil Oschwald, ???, Adolf Benz, Josef Guth, Hans Guth, Hedwig Vogt, Regina Krupp

4.Reihe, v.l.n.r.: Alfons Beha, Josef Benitz, Hermann Wider, Peter Schlegelberger, Ernst Wehrle, Josef Burger, Werner Hepting

Standort des Fotografen: 47.882468, 8.344492

Feuerwehrmänner mit Leitern in der Alenbergstraße, ca. 1960

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Christa Egle und Hans-Peter Hepting zur Verfügung.

Eine Gruppe Feuerwehrmänner posiert in der Alenbergstraße mit ihren Leitern für den Fotografen. Es handelt sich um die »Steiger« mit ihrem Gruppenleiter Fritz Adrion jun. Sie haben mehrere Leitern, die mit langen Haken versehen sind und auch Widerhaken haben. Im Brandfall können die Männer die Leitern an Fensterbänken einhängen und somit von Stockwerk zu Stockwerk an der Hausfassade nach oben steigen. Dafür müssen sie körperlich besonders fit sein.

Die Feuerwehrmänner stehen auf dem Parkplatz neben dem Café Alenberg. Hinter ihnen ist das Haus Pfeifer (Alenbergstr. 30) zu sehen. Es gehört dem Arbeiter Hans Pfeifer (1920-1972), der selbst einer der Feuerwehrmänner ist, und dessen Ehefrau Hildegard geb. Heizmann (1922-2008), die auch gerade aus dem Fenster hinausschaut.

V.l.n.r.: Erich Adrion, Werner Hepting, Hans Pfeifer, Walter Selb, Wilhelm Maier, Kurt Jonner

Standort des Fotografen: 47.887682, 8.341953

Hochzeitszug am Rathaus, ca. 1950

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Christoph und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Eine Schar Kinder rennt neben dem Hochzeitszug her, zum einen natürlich um einen Blick auf das frischgebackene Ehepaar zu ergattern, zum anderen aber um eine Gelegenheit abzupassen und Seile zu spannen, damit die Hochzeitsgäste Wegezoll zahlen.

Der Hochzeitszug kommt gerade am Rathaus vorüber, links und rechts vom Portal stehen geschmückte Tännchen, wie es als Dekoration bei Trauungen üblich ist. Ein weiteres interessantes Detail sind die vier Zifferblätter von der Rathausuhr, die offenbar gerade abgenommen sind, um renoviert zu werden: Sie lehnen im Hintergrund an der Mauer. Die Straße und der Gehweg sind nicht asphaltiert, sondern nur mit Schotter befestigt. Zwischen ihnen verläuft die gepflasterte Straßenrinne.

Standort des Fotografen: 47.883674, 8.344054

Familie Müller vor dem »neuen Benzbau«, ca. 1942

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Christoph und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Stolz lassen sich der Kraftfahrer Engelbert Müller (1896-?) und seine Ehefrau Luise Müller geb. Vogel (1900-?) mit ihren drei Söhnen fotografieren, mit dem ältesten Sohn Walter (1923-2009), dem mittleren Hans (1926-2014) und dem jüngsten Helmut (1927-1945). Sie stehen vor ihrem Wohnhaus, dem »neuen Benzbau« (Ringstr. 8). Es ist Krieg. Der älteste Sohn trägt bereits die Wehrmachtsuniform. Nach und nach werden alle drei Söhne zum Kriegsdienst eingezogen.

Walter und Hans kehren zu ihren Eltern zurück, aber Helmut stirbt in sowjetischer Kriegsgefangenschaft: Nach Auskunft eines Heimkehrers soll er an Bauchtyphus erkrankt und in das Krankenhaus in Lemberg (Lwiw) eingeliefert worden sein. Im Juni 1945 soll er dort verstorben sein.

Standort des Fotografen: 47.883809, 8.342874

Hochzeitszug in der Unteren Hauptstraße, ca. 1950

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Christoph und Marlies Müller sowie Rita Bölle zur Verfügung.

Aus dem Haus Limb (Untere Hauptstr. 4) oder dem Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2) fällt der Blick auf die Straße: Ein Hochzeitszug zieht gerade, von der Kirche kommend, die Untere Hauptstraße entlang. Das Brautpaar, das vorneweg schreitet, ist auf dem Foto nicht zu sehen, aber die Hochzeitsgäste. Passanten laufen nebenher, ganz besonders viele Kinder. Sie sind zur Stelle, um Seile zu spannen und sich ein Taschengeld zu verdienen.

Auf der anderen Straßenseite sind das »Warengeschäft« von Franz X. Geiger (Untere Hauptstr. 1), die Metzgerei von Fritz Seilnacht (Untere Hauptstr. 3) und das Uhrengeschäft von Wilhelm Maier (Untere Hauptstr. 5) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.883512, 8.343732

KdF-Reisende in der Oberen Hauptstraße, 1937

Sammlung Familie Waßmer

Eine Schar KdF-Reisender marschiert durch die Obere Hauptstraße. Im Hintergrund ist das Haus Fechtig (Obere Hauptstr. 8) und das Haus Faller (Obere Hauptstr. 6) zu sehen. Sie kommen vom Bahnhof und sind auf dem Weg zum Gasthaus »Linde«, wo gleich ein Begrüßungsabend stattfinden wird. Danach werden sie auf die Gasthäuser, Pensionen und privaten Gästezimmer verteilt. Der Zug wird von Kindern begleitet, die die Urlauber neugierig beäugen.

KdF steht für »Kraft durch Freude«. Diese nationalsozialistische Organisation hat die Aufgabe, die Freizeit der deutschen Bevölkerung zu gestalten, zu überwachen und gleichzuschalten. Die KdF avanciert zum größten Reiseveranstalter im nationalsozialistischen Deutschland. Mit den KdF-Reisen verfolgen die Nationalsozialisten ideologische Ziele. Sie sollen dabei helfen, eine »Wohlfühldiktatur« zu erschaffen.

Standort des Fotografen: 47.884412, 8.346129