2 Fotos: Marionettentanz beim »Bunten Abend«, Fasnacht 1982

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Wie an Fäden aufgehängt bewegen sie sich über die Bühne: Arme und Beine zucken ruckartig, die Körper kippen zur Seite – ganz so, als würde jemand unsichtbar über ihnen die Strippen ziehen. Beim »Bunten Abend« verwandelt sich die Jazzgruppe des Turnerbunds in ein ganzes Ensemble von Marionetten. Clown, Dirndlmädchen oder Ballerina – jedes Kostüm passt zur Rolle, und das Publikum in der Festhalle ist begeistert.

Die Regie liegt in den Händen von Petra Fehrenbach und Willi Fehrenbach. Mit ihrer Idee gelingt ein Auftritt, der nicht nur tänzerisches Können zeigt, sondern auch mit Witz und Theatralik spielt. Das Motto des Abends ist unübersehbar: »Talentschuppen«. Und tatsächlich beweisen die jungen Tänzerinnen, dass sie Talent haben.

Zu sehen sind u.a. Pia Fehrenbach (Clown mit roter Hose), Ute Kaiser (Dirndl), Anita Fehrenbach (verh. Flößer, grüne Hose), Birgit Kuhlmann (blaues Kleid mit weißer Bluse), Edith Fehrenbach (verh. Mühlbauer, blau-weißer Pierrot) und Doris Bölle (verh. Zimmermann, Ballerina).

Dreieinhalb Stunden dauert das Programm am »Bunten Abend«. Für viele im Saal gehört die Veranstaltung zum festen Bestandteil der fünften Jahreszeit.

Standort des Fotografen: 47.883030, 8.347880

Blick vom Garten des Hauses Waßmer zu den Nachbargrundstücken im Maienland, April 1986

Sammlung Familie Waßmer

Die Beete sind vorbereitet, die Wege gelegt – doch noch wirkt der Garten des Lehrer-Ehepaares Werner und Maria Waßmer kahl. Anfang April 1986 wacht die Vegetation erst allmählich auf aus dem Winterschlaf, und so fallen die Steinwege besonders ins Auge, die sich durch die Beete ziehen. Die Ziegel dafür stammen aus dem gesprengten Benz-Kamin, der einst 48 Meter hoch über dem Gelände des Sägewerks ragte und bis zu seiner Sprengung im Oktober 1984 ein markantes Wahrzeichen des gesamten Städtchens war. Nun haben die alten Steine im privaten Garten eine neue Funktion gefunden.

Weil Büsche und Bäume noch keine Blätter tragen bzw. erst frisch gepflanzt sind, öffnet sich auch der Blick über den Gartenzaun hinweg. Links liegt das Grundstück von Weinhändler Klaus Benitz und Inge Benitz, das noch von Obstbäumen geprägt ist. Einige Jahre später entsteht hier das neue Wohnhaus von Malermeister Karl Sibold und Friedegard Sibold (Rötengasse 2a), wodurch der freie Blick bald verschwinden wird. Rechts ragt der Schopf ins Bild, der zum Grundstück von Pflästerermeister Ludwig Storz und Elisabeth Storz gehört. Jenseits der Rötengasse ist sogar die Villa (Maienlandstr. 6) zu erkennen, in der die Anthroposophin Maria Keller wohnt.

Standort des Fotografen: 47.885606, 8.342781

2 Fotos: Hängen der Fasnachtsbändel beim Hexenbrunnen in der Kirchstraße, Fasnacht 1989

Diese Fotos stellten dankenswerterweise Silvia und Gerold Bächle zur Verfügung.

Die bunten Bändel flattern im Wind und lassen den Hexenbrunnen in der Kirchstraße festlich wirken. Mit Leitern und selbst mit Hilfe der Feuerwehr-Drehleiter bringen die Hexen die Girlanden an, Stück für Stück. Rund acht Kilometer Fasnachtsbändel, gefertigt von der Hanselegruppe, müssen aufgehängt werden. Nun haben die 27 aktiven Hexen mit Franz Hofmeier und Klaus Effinger an der Spitze alle Hände voll zu tun. Denn die Zeit drängt: Am Wochenende soll alles fertig sein, damit vom 20. bis 22. Januar 1989 das 100. Jubiläum der »Laternenbrüder« gefeiert werden kann. Mit dem bunten Schmuck zeigt sich schon jetzt, wie groß die Vorfreude im Städtchen ist.

Im Hintergrund ist auf der linken Straßenseite u.a. das Haus Freund (Kirchstr. 12) zu sehen. Es wird wenig später renoviert und in das Erdgeschoss zieht das Elektrogeschäft Meister.

Standort des Fotografen: 47.882962, 8.344151

Zwei Züge im Bahnhof, 1984

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Auf den beiden Gleisen im Bahnhof Löffingen begegnen sich zwei Züge, die unterschiedlicher kaum wirken könnten. Links steht ein Dieseltriebzug der Baureihe VT 11.5, besser bekannt als Alpen-See-Express. Mit seiner roten Lackierung, den geschwungenen Formen und dem markanten DB-Logo wirkt er fast wie ein Symbol für Geschwindigkeit und Eleganz der Nachkriegszeit. Er bringt Urlauber*innen in den Schwarzwald und an den Bodensee. Da die Züge auf der Steilstrecke der Höllentalbahn nicht eingesetzt werden, fahren sie über die Schwarzwaldbahn.

Rechts auf Gleis 1 wartet eine Diesellok der Baureihe 215, wobei die Loknummer 215 095-1 erkennbar ist. Sie gehört zur sogenannten V-160-Familie, die seit den 1960er-Jahren das Rückgrat des DB-Dieselbetriebs bildet. Mit ihr fahren Züge in Richtung Neustadt und Freiburg gezogen. Die robuste Lok, bewältigt den Alltagsverkehr im Schwarzwald.

Vorne auf dem Bahnsteig liegt unscheinbar ein Paket, als hätte es jemand eilig abgestellt. Rechts am Bildrand sieht man das Bahnhofsgebäude, und ein paar Menschen warten oder laufen mit Gepäckwagen entlang der Gleise.

Standort des Fotografen: 47.883135, 8.342357

Josef Schweizer als Soldat, ca. 1914-1916

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Die Uniform sitzt straff, die Haltung ist aufrecht, fast steif – so, wie es sich für ein Soldatenporträt gehört. Josef Schweizer (1897-1916) schaut ernst in die Kamera, die Hand lässig auf die Lehne gestützt. Er ist noch sehr jung, nicht einmal volljährig. Geboren wurde er am 17. März 1897 als Sohn des Gipsers Franz Schweizer und dessen Ehefrau Anna Schweizer (geb. Götz). Er wirkt fast ein wenig unsicher, als würde er sich erst an den Gedanken gewöhnen, in Soldatenuniform abgelichtet zu werden. Darüber kann auch das glänzende Koppelschloss, die Knopfreihe und die Schirmmütze mit Kokarde nicht hinwegtäuschen.

Josef Schweizer stirbt am 21. Oktober 1916. Er wird nur 19 Jahre alt.

Standort des Fotografen: ???

Narrengruppe in der Demetriusstraße, Fasnacht 1925

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Zwei Frauen und ein Mann posieren zusammen für ein Gruppenfoto – die Gesichter ernst, als würden sie gleich für ein Familienporträt abgelichtet. Doch die Kleidung verrät das Gegenteil: reich verzierte Kostüme, große schwarze Hüte, Quasten und Bommeln, dazu ein angeklebter Schnurrbart, der den Mann verschmitzt wirken lässt. Die schweren Stoffe, die kunstvollen Stickereien, die Schärpen und Schleifen erinnern an ein spanisches oder südländisches Kostüm, wie man es aus Modezeitschriften oder Postkarten kennt. Es sind Verkleidungen, die den Alltag weit hinter sich lassen: statt Arbeitskittel und Schürze plötzlich Seide, Samt und Phantasie. Für einen Moment verwandeln sich die drei in stolze Tänzerinnen und Toreros.

1925 liegt der Erste Weltkrieg gerade einmal sieben Jahre zurück. Die Menschen haben schwere Zeiten erlebt, viele Familien trauern noch um Gefallene. Inflation und politische Krisen erschüttern die junge Weimarer Republik. Auch der Großbrand 1921, der das halbe Städtchen in Schutt und Asche legte, und der Wiederaufbau liegen erst kurze Zeit zurück. Doch gerade in solchen Jahren bedeutet die Fasnacht mehr als nur ein paar Tage Spaß.

Das Fenster hinter der Narrengruppe gehört zur Werkstatt der Buchbinderei und Buchdruckerei von Anton Rebholz (Rathausplatz 3).

Standort des Fotografen: 47.884200, 8.344369

Närrinnengruppe beim Umzug in der Bahnhofstraße, Fasnacht 1966

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Christa Egle zur Verfügung.

Die Närrinnen schreiten im Gleichschritt, Arm in Arm, mit Körben voller Kleinigkeiten – und das Lächeln auf ihren Gesichtern verrät, dass sie die Fasnacht in vollen Zügen genießen. Ihre Kostüme wirken fast wie Schuluniformen: helle Kleider mit breiten weißen Kragen, Schleifen und schwarzen Strümpfen. Doch die selbstbewusste Haltung und die ausgelassene Stimmung zeigen: Hier marschieren keine braven Schülerinnen, sondern Närrinnen, die das Regiment übernehmen.

Linke Reihe, v.l.n.r.: 1 Helene Krauß, 2 Mathilde Schmid (geb. Geisinger, 1926-1989), 3 Gertrud Faller (geb. Schmid, 1925-1980, verdeckt)
Rechte Reihe, v.l.n.r.: 1 Hedwig Hepting (geb. Egle, 1932-2020), 2 Olga Geisinger (geb. Schmutz), 3 ???, 4 Else Egle (geb. Ganter, 1923-2011), 5 [Hedwig Bayer (geb. Schmid, 1924-1996)???], 6 Henriette Laufer (geb. Metz, 1922-2004), 7 Ernst Krauß

Sie kommen von der Bahnhofstraße und biegen nun in die Untere Hauptstraße ein, auf dem Weg ins Städtchen. Im Hintergrund sind das Haus Zepf (Rötenbacher Str. 2) und das Schrankenwärterhaus (Rötenbacher Str. 1) zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.882487, 8.343162

Zwei Frauen im Waldbad, ca. 1950-1955

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Zwei junge Frauen sitzen im Gras beim Waldbad. Die Sonne scheint und die leichte Kleidung der beiden Frauen deutet daraufhin, dass Sommer ist. Im Hintergrund ist das Becken des 1935 eröffneten Waldbades zu sehen. Doch oh Schreck! Das Becken ist leer! Kein Wasser ist im Becken und niemand tummelt sich darin, um sich im kühlen Nass zu erfrischen. Während des Zweiten Weltkrieges verwahrloste das Bad immer mehr und erst 1955 wird es wiedereröffnet. Das Foto wird vermutlich wenige Jahre vorher aufgenommen.

V.l.n.r.: 1 ???, 2 Else Ganter (verh. Egle, 1923-2011)

Standort des Fotografen: 47.899794, 8.332296

Glockenweihe für die Kirche Witterschneekreuz, Januar 1982

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

In der Pfarrkirche St. Michael werden zwei Glocken festlich präsentiert. Sie sind mit Tannengrün geschückt, denn heute werden sie geweiht. Bestimmt sind sie für die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz. Kinder wie Erwachsene haben sich eingefunden, um bei der Weihe dabei zu sein – ein Ereignis, das in Erinnerung bleibt.

V.l.n.r: 1 ???, 2 Kerstin Beck, 3 Karl Schreiber (1910-2001), 4 Fridolin Becher (1930-2020)

Die Wallfahrtskirche Witterschneekreuz war in den Jahren 1894 bis 1896 erbaut und 1901 geweiht worden. Ursprünglich verfügte sie über zwei Glocken, doch die größere wurde im Zweiten Weltkrieg für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Erhalten blieb nur die kleine Glocke von 1853, gegossen von der Villinger Glockengießerei Grüninger, 40 kg schwer mit dem Schlagton h′′′+8. Sie ist auf dem Foto rechts zu sehen.

Dank zahlreicher Spenden kann das Geläut nun wieder vervollständigt werden. Am 16. Oktober 1981 wurde in einer Heidelberger Glockengießerei die neue, größere Glocke gegossen. Sie wiegt 63 kg, erklingt im Schlagton gis′′+7 und trägt die Inschriften »Das Kreuz weist uns den Weg« und »Wallfahrtskirche zum Schneekreuz, Löffingen, 1981«. Auch das Bild des Wallfahrtskreuzes und das Pfarrwappen sind darauf angebracht.

Mit der neuen Glocke wird zugleich eine elektrische Läutanlage eingebaut, sodass man zum Läuten nicht mehr auf den Kirchturm steigen muss. Seitdem erklingen beide Glocken gemeinsam – mittags und abends zur Betzeit und selbstverständlich zu den Gottesdiensten.

Standort des Fotografen: 47.882516, 8.344550

Agnes Siefert geb. Egle, ca. 1890

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Emma Binder zur Verfügung.

Das würdige Porträt einer alten Frau, die mit ernstem Blick und faltigem Gesicht innehält. Agnes Siefert (geb. Egle, 1827-1904) sitzt in Tracht vor der Kamera und hält still. Das Kopftuch mit Haube ist eng um den Kopf gebunden. Ein Besuch im Fotoatelier ist für viele Menschen ein besonderes Ereignis. Schließlich wird man nicht jeden Tag fotografiert. Und das Bild bleibt für die Nachwelt, wenn man selbst längst gestorben ist.

Agnes Siefert wurde 1827 geboren. Sie soll aus dem Dorf Gruorn bei Münsingen auf der Schwäbischen Alb stammen. Seit 1863 ist sie mit dem Taglöhner Albert Siefert (1828-1894) verheiratet und wohnt in Löffingen. Die beiden lebten in ihren ersten Ehejahren in einem kleinen Haus in der Rötenbacher Straße (das später für den Bahnbau abgerissen wird). 1867 zogen sie dann in die Bittengasse. Ihr Mann stammt aus einer Handwerkerfamilie – sein Vater war Uhrenmacher. Das Leben als Taglöhner bedeutet harte Arbeit, wenig Sicherheit, kaum Besitz. Ihr Mann stirbt 1894. Agnes Siefert überlebt ihn um zehn Jahre. Am 11. Mai 1904 stirbt auch sie im Alter von 77 Jahren.

Standort des Fotografen: ???

Clowngruppe vor dem Haus Hall in der Maienlandstraße, Fasnacht 1981

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Weiße Perücken, bunte Karojacken und dicke blaue Fliegen – die Clowngruppe vor dem Haus Hall (Maienlandstr. 20) zieht die Blicke auf sich. Mit geschminkten Gesichtern stehen sie lachend zusammen. Ein kleiner Clown trägt einen roten Hut, dieselbe Karojacke und dazu rote Pluderhosen – fast wirkt es, als wolle er den Großen Konkurrenz machen.

Es ist »Schmutziger Dunschdig«. Und die Straßen gehören nicht dem Alltag, sondern dem bunten Ausnahmezustand. An Fasnacht verwandelt sich das ganze Städtchen in eine Bühne. Wer hier auftritt, ist für ein paar Stunden Teil des närrischen Spiels – und vielleicht erkennt man den einen oder anderen Bekannten erst wieder, wenn die Schminke abgewaschen ist.

1.Reihe, v.l.n.r.: 1 Olga Streit, 2 Ursula Kopp, 3 Maria Hall, 5 Diana Vierlinger, 6 Dieter Vierlinger
2.Reihe, v.l.n.r.: 1 ???, 2 Inge Mayer, 3 ???, 4 ???, 5 ???, 6 ???

Standort des Fotografen: 47.886031, 8.342207

Julius und Berta Glunk, ca. 1910

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Alexandra Scholl zur Verfügung.

Julius und Berta Glunk lassen sich in einem Fotoatelier in Mannheim fotografieren. Der Vater von Julius Glunk stammte aus Löffingen, er selbst wurde aber in Stockach geboren und wuchs in Mannheim auf. Alles an dieser Aufnahme ist sorgfältig arrangiert: Der gemalte Hintergrund mit angedeuteter Natur, die Haltung der beiden, die Kleidung, die Accessoires – alles signalisiert Wohlstand und gesellschaftliches Selbstbewusstsein. Julius Glunk trägt einen hellen Anzug mit Weste, dazu Krawatte und einen steifen Hut. In der Hand hält er einen Spazierstock. An seiner Seite steht Berta Glunk, die in dunkler, eleganter Robe erscheint. Ein breiter Gürtel betont die Taille, über den Schultern liegt ein Pelzstola. Auffällig ist der große, mit Federn geschmückte Hut – ein modisches Zeichen weiblicher Eleganz dieser Zeit. Auch sie hält einen Stock in der Hand.

Julius Glunk kam am 2. Mai 1862 in Stockach zur Welt. Sein Vater war der Lehrer Heinrich Glunk (1827-1868), der am 30. Juni 1827 in Löffingen als Sohn des Schneidermeisters Jacob Glunk (1784-1849) und dessen Ehefrau Maria Agatha Glunk (geb. Müller, 1786-1871) geboren wurde. Das Elternhaus des Vaters stand in der Demetriusstraße. Die Mutter von Julius Glunk war Christine Glunk (geb. Villinger, 1832-1902), die aus Mannheim stammte. Julius Glunk ist verheiratet mit Berta Glunk (geb. Edelmann) und arbeitet als Zollbeamter auf dem Hauptzollamt in Mannheim. Er stirbt am 2. März 1946 in Überlingen.

Standort des Fotografen: Mannheim