Ausschnitt: »Restauration« Benz und Kaufhaus »Kasten« in der Unteren Hauptstraße, 1898

Verlag J. A. Binder Nachfolger, Bonndorf / Stadtarchiv

Das Aussehen dieser Straßenkreuzung hat sich nur wenige Jahre zuvor stark verändert. Rechts steht das Haus Benz (Untere Hauptstr. 8), der »alte Benzbau«, wie er heute genannt wird. Es wurde nach dem Brand von 1887 neu errichtet und gehört dem Holzhändler und Gastwirt Johann Benz (1850-1908) und seiner Ehefrau Katharina geb. Maier (1850-?). Im Erdgeschoss betreiben sie ein Gasthaus, eine »Restauration«, wie auf dem Schild zu lesen ist. Offenbar ist dieser Neubau der Grund, warum diese Bildperspektive für eine Ansichtskarte attraktiv erscheint.

Links neben dem »alten Benzbau« ist das Gasthaus »Lamm« (Kirchstr. 29) zu sehen, hinter dem die katholische Pfarrkirche St. Michael hochragt. Am linken Bildrand steht das dreistöckige Warenhaus »Zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7), das von Sofie Traber von 1894 bis 1899 betrieben wird.

Dieses Bild ist ein Ausschnitt aus einer Mehrbildkarte.

Standort des Fotografen: 47.883280, 8.343513

Blick zum Haus Maier und Haus Zimmermann in der Unteren Hauptstraße, ca. 1950

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Georg Willmann zur Verfügung.

Das Haus von Uhrmachermeister Wilhelm Maier (Untere Hauptstr. 5) und das Kaufhaus »zum Kasten« von Alfred Zimmermann (Untere Hauptstr. 7) im Bildhintergrund sind leider nur angeschnitten zu sehen. Denn dem Fotografen ging es nicht um die Gebäude, sondern um das zugeschneite Gärtchen im Vordergrund, das zur Bäckerei Willmann (Untere Hauptstr. 6) gehört.

Ein Trampelpfad führt durch den Schnee zum Gartentürchen. Jede einzelne Holzlatte des Zauns ist von einer dünnen Schicht Schnee bedeckt. Eine winterliche Idylle mitten im Städtchen!

Standort des Fotografen: 47.883260, 8.343497

3 Fotos: Narrenumzug in der Unteren Hauptstraße, Fasnacht 1952

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Ausnahmsweise liegt richtig Schnee an Fasnacht! Links und rechts der Umzugsstrecke in der Unteren Hauptstraße türmen sich die Schneehaufen. Doch die Fahrbahn ist freigeräumt, der Umzug bahnt sich seinen Weg, vorbei am Gasthaus »Sonne« (Kirchstr. 29) und dem Kaufhaus »Kasten« von Alfred Zimmermann (Untere Hauptstr. 7).

Das Motto der diesjährigen Fasnacht lautet: »Als die Römer frech geworden«. Das mittlere Foto zeigt den Wagen der 20-Jährigen.

Standort des Fotografen: 47.883175, 8.343698

Blick vom Mailänder Tor in die Untere Hauptstraße, ca. 1955

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Aus dem Torbogen des Mailänder Tores fällt der Blick auf den unteren Rathausplatz und die Untere Hauptstraße entlang in Richtung katholischer Pfarrkirche St. Michael. Weitgehend unverändert ist der Straßenzug bis heute geblieben, die Bausubstanz bliebt erhalten, da keines der Gebäude in der Zwischenzeit abgebrannt ist oder abgerissen wurde. Aber modernisiert und umgebaut wurden die meisten Häuser doch seitdem.

Über den Rathausplatz schlendern zwei Frauen, vorbei am 1954 neu geschaffenen Demetriusbrunnen. Ansonsten ist kein Mensch zu sehen. Die Straßen wirken wie ausgestorben. Es scheint Sonntag zu sein, denn alle Ladengeschäfte sind geschlossen und die Rolläden herunter gelassen. Obwohl die B31 mitten durch das Städtchen führt, gibt es im Augenblick auch keinen Durchgangsverkehr.

Auf der linken Straßenseite ist das Lebensmittelgeschäft »Gottlieb« (Rathausplatz 6) zu sehen. Daran schließen sich das Haus des Kaufmanns Franz Xaver Geiger (Untere Hauptstr. 1), das Haus des Metzgermeisters Fritz Seilnacht (Untere Hauptstr. 3), das Haus von Uhrmachermeister Wilhelm Maier (Untere Hauptstr. 5) und schließlich das Kaufhaus von Alfred Zimmermann (Untere Hauptstr. 7) an. Am Ende der Straße ist das Gasthaus »Sonne« (Kirchstr. 29) zu sehen, das vor den 1930er Jahren noch Gasthaus »Lamm« hieß.

Auf der rechten Straßenseite steht ein weiteres traditionsreiches Wirtshaus, der »Adler« (Untere Hauptstr. 2), erkennbar an seinem schmiedeeisernen Wirtshausschild. Während sich die Gaststube im ersten Obergeschoss befindet, ist im Erdgeschoss seit Kurzem eine Filiale der Sparkasse untergebracht.

Standort des Fotografen: 47.883954, 8.343705

Umzugswagen des Turnerbundes, Fasnacht 1937

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Beim Narrenumzug am »Fasnet Mändig« beteiligt sich auch der Turnerbund mit einem eigenen Wagen. Gerade fährt er, von der Unteren Hauptstraße kommend, in die Kirchstraße hinein.

Wer erkennt die Mitglieder der Turnerbundes?
Zu sehen sind u.a. Oberturnwart Anselm Zepf, Ernst Keller, Margaretha Kaltenbrunner (verh. Schneider 1921-2017), ??? Gebert

Im Hintergrund ist das »Kaufhaus zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7) zu sehen, das dem Kaufmann Alfred Zimmermann gehört. Durch das große Sprossenfenster am rechten Bildrand lässt sich ein kurzer Blick in die Auslage werfen.

Standort des Fotografen: 47.883059, 8.343987

5 Fotos: Festumzug beim 100-jährigen Jubiläum der Feuerwehr, 16. Juni 1963

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Wolfgang Lüdemann-Ravit zur Verfügung.

Die Freiwillige Feuerwehr Löffingen feiert 1963 ihr 100-jähriges Jubiläum mit einem dreitägigen Fest. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist ein großer Festzug »mit historischen Gruppen und Wagen aus der 1000-jährigen Geschichte unserer Stadt«. Vom Bahnhof führt der Weg durch die geschmückte Untere Hauptstraße im Städtchen hin zur Festhalle. Die Umzugsstrecke ist von Zuschauern gesäumt. Hinter der Stadtmusik marschiert die Feuerwehr. Dann reiht sich Wagen an Wagen. Thematisiert werden ganz unterschiedliche historische Ereignisse, wie z.B. die Hexenverbrennungen 1635/36, die Durchreise von Marie Antoinette im Jahr 1770 oder der Großbrand am 28. Juli 1921.

Standort des Fotografen: 47.883696, 8.343805

2 Fotos: Stelzenlauf in der Unteren Hauptstraße am »Tag des Sports«, 1975

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Zahlreiche Zuschauer haben sich am »Tag des Sports« in der Unteren Hauptstraße versammelt, um den teilnehmenden Sportler*innen bei ihrem Wettkampf zuzuschauen. Vor der Wäscherei Hörig (Untere Hauptstr. 7) ist Wettstelzenlauf angesagt! Auf dem oberen Foto zeigt Luzia Heiler ihr Können. Im Slalom geht es um ausgelegte Autoreifen herum. Und dann heißt es runter von den Stelzen und auf einen wackligen Holzklotz steigen und Nägel in ein Stück Holz hämmern. Und das alles mit Tempo! Wer da sein Gleichgewicht behält, hat den Applaus der Zuschauer wahrlich verdient.

Standort des Fotografen: 47.883196, 8.343676

Mehrbildkarte »Führer durch Löffingen« mit sechs Ansichten, ca. 1900-1910

Verlag H. Wahler, St. Johann (Saar)
Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Sogenannte »Führerkarten« sind in den Jahren nach der Jahrhundertwende populär. Auch für Löffingen wird eine solche Mehrbildkarte vertrieben.

Abgebildet sind neben einer Gesamtansicht des Städtchens im Uhrzeigersinn: Das Gasthaus »Löwen« (Rathausplatz 11), das Gasthaus »Adler« (Untere Hauptstr. 2), das Gasthaus »Witterschnee« (Maienlandstr. 26), das Kaufhaus »zum Kasten« (Untere Hauptstr. 7) und das Gasthaus »Pilgerhof« (Maienlandstr. 24).

Untere Hauptstraße, ca. 1938/39

Dieses Foto stellten uns dankenswerterweise Dorothea und Michael Kasprowicz zur Verfügung.

Würde nicht eine Person mitten auf der Straße spazieren, hätte die Szene fast was gespenstisches. Wie ausgestorben liegt die Untere Hauptstraße da. Vorne links ist der »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8) zu sehen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist der Ökonomiebereich des Gasthauses »Sonne« (Kirchstr. 29) zu sehen, der über zwei Scheunentore verfügt.

Im Hintergrund sind das Kaufhaus von Alfred Zimmermann (Untere Hauptstr. 7), das Uhrengeschäft von Wilhelm Maier (Untere Hauptstr. 5), die Metzgerei von Friedrich Seilnacht (Untere Hauptstr. 3) und das Ladengeschäft von Franz Xaver Geiger (Untere Hauptstr. 1) zu erkennen.

Das Foto wird in der Zeit des Nationalsozialismus aufgenommen. Denn an dem hölzernen Masten, der auf der linken Straßenseite steht, ist ein antisemitisches Schild angebracht: »Juden sind hier nicht erwünscht«, ist darauf zu lesen. Auch wenn in Löffingen in den 1930er Jahren keine jüdischen Einwohner leben, so ist die öffentliche Diskriminierung von Juden doch unübersehbar.

Standort des Fotografen: 47.882680, 8.343532

Mehrbildkarte mit vier Ansichten, ca. 1900-1904

Verlag Th. Schmutz-Mayer, Löffingen

»Auch einmal von hier mögen Sie & Ihre so werthe Familie beste Grüße empfangen«, heißt es auf dieser Ansichtskarte, die am 18. Oktober 1904 von Löffingen aus versandt wurde.

Die Mehrbildkarte zeigt vier Ansichten des Städtchens. Unter einer Gesamtansicht, die vom »Reichberg« aus aufgenommen wurde, sind drei Einzelbilder zu sehen: Ganz links ist das »Warenhaus z[um] Kasten« (Untere Hauptstr. 7) abgebildet, das seit 1900 dem Kaufmann Thomas Schmutz gehört, der auch als Verleger diese Ansichtskarte fungiert. Kein Wunder, dass er sein eigenes Kaufhaus so prominent abbildet. Daneben ist die 1898 vollendete »Wallfahrtskirche z[um] Schneekreuz« zu sehen. Und ganz rechts ist eine idealisierte Darstellung des Kriegerdenkmals abgebildet. Das 1894 geschaffene Denkmal zur Erinnerung an die Kriegsteilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 ist übergroß dargestellt, was im Größenvergleich mit den Menschen deutlich ins Auge springt.

Untere Hauptstraße mit Gasthäusern »Adler« und »Lamm«, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Die Untere Hauptstraße zieht sich durch das Städtchen. Links reihen sich die Häuser dicht aneinander, darüber ragt der Turm der katholischen Pfarrkirche St. Michael auf. Rechts schwingt das kunstvolle Wirtshausschild des Gasthauses »Adler« über die Straße. Weiter hinten schließt der Giebel des Gasthauses »Lamm« (Kirchstr. 29) den Blick wirkungsvoll ab.

Die Aufnahme entsteht ungefähr auf Höhe des Demetriusbrunnens. Noch bestimmen unbefestigte beziehungsweise nur teilweise befestigte Straßenflächen, die gepflasterte Straßenrinne und dicht stehende Häuser das Bild. Reklametafeln und Geschäftsschilder treten kaum hervor. Gerade dadurch wirkt die Straße trotz der unterschiedlichen Gebäude wie ein geschlossenes Ensemble.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 19 unter der Überschrift »Blick vom Demetriusbrunnen auf das Gasthaus zum Lamm«. Sie gehört zu den 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seinen neunseitigen Rundgang durch Löffingen illustriert. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift interessiert ihn besonders, wie historische Architektur, Straßenführung und alltägliche Details das Erscheinungsbild eines Ortes prägen.

Gerade diese Straßenansicht gefällt Wingenroth. Er lobt, dass selbst die »Firmenschilder« in Löffingen »bescheiden und anständig geblieben« seien und die Wirkung der alten Straßen nicht störten. Besonders hebt er die »gute, gekrümmte Führung« der Unteren Hauptstraße und ihren Abschluss durch den vorspringenden Giebel hervor. Damit beschreibt er nicht nur das einzelne Gebäude, sondern das Zusammenspiel der ganzen Straße – genau das, was auch die Fotografie festhält.

Standort des Fotografen: 47.883646, 8.343772

Katholisches Pfarrhaus in der Unteren Hauptstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Beherrschend steht das katholische Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) am südlichen Ausgang des Städtchens. Der stattliche, nahezu quadratische Baukörper mit seinem mächtigen, doppelt abgewalmten Dach hebt sich deutlich von der kleinteiligeren Bebauung im Hintergrund ab. Fensterläden gliedern die schlichte Fassade, ein Mäuerchen und ein niedriger Zaun grenzt das Grundstück zur Straße hin ab.

Errichtet wurde das Pfarrhaus 1788 unter Stadtpfarrer Johann Georg Eggstein und damit tatsächlich noch im Barock. Es dient über mehr als eineinhalb Jahrhunderte als Amts- und Wohnhaus der Löffinger Stadtpfarrer. Ursprünglich gehörte zum Anwesen auch eine Pfarrscheuer, die jedoch beim Bau der Eisenbahnlinie weichen musste. Das Pfarrhaus wird in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 stark beschädigt.

Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a) bildet das Pfarrhaus am Bahnübergang nach Göschweiler ein markantes architektonisches Paar. Beide Gebäude besitzen die für ihre Erscheinung so charakteristischen mächtigen Dächer und rahmen den damaligen Ortsausgang ein.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« wird die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 24 unter der Überschrift »Barockhaus am Ausgang nach Göschweiler« veröffentlicht. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Schriftleiter der Zeitschrift und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg, nimmt das Gebäude in seinen fotografischen Rundgang durch Löffingen auf. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich besonders solchen als charakteristisch und erhaltenswert empfundenen Zeugnissen regionaler Baukultur.

Zum Abschluss seines Rundgangs zählt Wingenroth das Pfarrhaus und sein Gegenüber ausdrücklich zu den erfreulichen Beispielen Löffinger Architektur. Er schwärmt von den »beiden schönen Barockhäusern, die jeder Stadt eine Zierde wären«, und hebt besonders ihre »doppelt abgewalmten Dächer« hervor. Gerade an dieser Stelle wird deutlich, welche Bauformen dem Heimatschutz jener Zeit als vorbildlich gelten.

Standort des Fotografen: 47.882345, 8.342872