
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Dieter Vierlinger zur Verfügung.
Mitten im Wald hat sich die Familie Nägele um eine kleine Feuerstelle versammelt. Auf dem Boden steht Kochgeschirr, über dem Feuer wird eine Mahlzeit zubereitet. Daneben sitzt Konrad Nägele (1885-1960) mit dem Akkordeon auf einem Baumstamm und sorgt für Musik. Hinter der Gruppe wartet ein gesatteltes Arbeitspferd. Das Foto zeigt nicht die schwere Arbeit am Meiler, sondern einen ruhigeren Augenblick im Alltag der Köhlerfamilie.
Die Nägeles sind über mehrere Generationen Köhler und deshalb im Städtchen als »s’Kohle Nägeles« bekannt. Ihre Meiler betreiben sie im Stadtwald und in einem Waldstück bei Unterbränd. Jeweils im Frühjahr zieht die Familie mit den Kindern und einem Teil des Hausrats hinaus in den Wald. Dort lebt sie den Sommer über in einer einfachen Köhlerhütte, denn die brennenden Meiler müssen ständig überwacht werden. Erst im Herbst geht es wieder zurück nach Löffingen.
Die Köhler-Tradition reicht in der Familie weit zurück. Schon der Vater von Peter Nägele war Köhler von Beruf: Erhard Nägele (1811-1888) stammte aus Igelschlatt und zog 1844 mit seiner Ehefrau Rosina Nägele (geb. Gänswein, 1821-1869), nach Löffingen. Das Handwerk wird in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben.
V.l.n.r.: 1 Peter Nägele (1850-1910), 2 Ludowika Nägele (geb. Winter, 1853-1932), 3 unbekannte Frau, 4 Maria Limb (geb. Nägele, 1894-?), 5 Konrad Nägele (1885-1960)
Das Leben auf dem Kohlplatz birgt jedoch auch große Gefahren. Peter Nägele und Ludowika Nägele traf als junges Paar ein schweres Unglück: Während sie den Platz einmal verlassen hatten, griff Feuer auf die Köhlerhütte über. Am 17. August 1883 kamen zwei ihrer Kinder, die darin schliefen, in den Flammen ums Leben. Gerade vor diesem Hintergrund bekommt die friedliche Szene am Feuer eine zusätzliche, tragische Tiefe.
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