Karl Selb und Ehefrau Marie, ca. 1900

Fotograf: Bolton, Ely (England)
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Elke Moser zur Verfügung.

Nein, das Doppelporträt dieses Ehepaares wird weder in einem Fotostudio in Neustadt noch in Donaueschingen aufgenommen, wie üblicherweise die meisten Atelieraufnahmen von Einwohnern Löffingens. Das Fotostudio befindet sich ganze 763 Kilometer Luftlinie entfernt, nämlich in Ely, einer Stadt im Osten der Grafschaft Cambridgeshire in England.

Zu sehen ist links Karl Franz Selb (1870-1948), der am 16. Januar 1870 in Löffingen geboren wurde. Sein Vater war der Bierbrauer Hermann Selb (1840-1892) und seine Mutter war – die aus Neustadt stammende – Sophie Selb geb. Fischer (1847-1922). Er wuchs in seinem Elternhaus (Obere Hauptstr. 7) auf. Als junger Mann wandert der Uhrmacher und Juwelier nach England aus.

1898 heiratet er Marie (Maria Leopoldina) Haitz, die aus Neustadt stammt, wo sie 1873 geboren wurde. Im März 1914 erhält er die britische Staatsbürgerschaft, nachdem er den Treueeid auf den britischen König Georg V. abgeleistet hat. Karl Franz Selb anglisiert seinen Namen und nennt sich fortan Francis Charles Selb. Er stirbt am 10. Januar 1948 in Felixstowe, Suffolk, Großbritannien. Dort wird er auch beerdigt. Seine Frau Marie stirbt am 6. Mai 1950 in Bournemouth, Großbritannien.

Standort des Fotografen: Ely, England

Dekoration vor dem Haus Selb beim Sängerfest, 1927

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Pünktlich zum Beginn des dreitätigen Schwarzwaldgau-Sängerbundesfest am 29. Juli 1927 hat sich das Städtchen so richtig herausgeputzt. Die Häuser sind mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Schließlich werden nicht nur rund 2.500 Sänger aus Nah und Fern erwartet, sondern auch viele andere Gäste, die für das Fest anreisen.

Die Festteilnehmer müssen auf ihrem Weg zur Festhalle an der Kreuzung von Oberer Hauptstraße und Festhallenstraße vorbeigehen. Der Platz ist deshalb liebevoll mit einer Art Diorama gestaltet. Zu diesem Zweck wurde der Brunnen, der dort steht, überbaut. Mit Steinen, diversen Pflanzen und Miniatur-Häusern ist eine urwüchsige Landschaft entstanden. Ein kleines Sägewerk ist zu sehen, das von dem Wasser des Brunnens angetrieben wird. Ein Langholzwagen ist auf dem Weg dorthin. Darüber thront eine mächtige Burg. Ein echter Hingucker! Im Hintergrund ist das Haus Selb (Obere Hauptstr. 12) zu sehen.

Standort des Fotografen: 47.884353, 8.347113

Narren und »Seifenkisten« auf dem unteren Rathausplatz, Fasnacht 1928

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Eine Narrengruppe hat sich vor den Häusern von Schuhmacher Demeter Schilling (Rathausplatz 7) und von Landwirt August Sibold (Rathausplatz 8) für den Fotografen in Position gebracht. Leiterwagen und andere Karren wurden zu »Seifenkisten« umgebaut.

Die Fahrer tragen die typische Rennfahrermontur der Zeit und fühlen sich wie bei einem großen Grand-Prix-Rennen. Im Hintergrund ist der Schulhof zu sehen, erkennbar an den Bäumen. Daran schließt sich, nur schemenhaft zu erkennen, das ehemalige Gasthaus »Sonne« (Rathausplatz 9-10) an.

Offiziell findet 1928 keine Fasnacht statt. In den Annalen der »Laternenbrüder« ist überliefert, dass man »keine Lust, keine Ideen« hatte. Aber ein paar kostümierte Narren scheint es doch zu geben! Statt einer richtigen Fasnacht wird offenbar alternativ ein Seifenkistenrennen veranstaltet.

Auf dem Foto sind u.a. zu sehen: Franz Faller (links hinter dem Opel), Hermann Ganter (1895-1957), Engelbert Müller (1896-?), Otto Fürst (1894-?)

Standort des Fotografen: 47.883746, 8.343988

2 Fotos: Sitzungssaal im Rathaus mit Wandgemälde, 2009

Sammlung Familie Waßmer

Der Sitzungssaal des Gemeinderates im Rathaus präsentiert sich rund 50 Jahre lang mit dieser Innengestaltung, die aus den 1960er Jahren stammt. Neben der bleiverglasten Eingangstür ist ein Wandgemälde zu sehen. Es erinnert an die jahrhundertelange Tradition Löffingens als »Kornmarkt der Baar«. Schließlich diente das 1832 erbaute Rathaus viele Jahre auch als Kaufhaus mit Markthalle. Das Gemälde zeigt das Rathaus mit dem Rathausbrunnen davor, daneben das 1973 abgerissene Gasthaus »Sonne« und ein Pferdefuhrwerk.

In den Jahren 2016-2018 wird das Rathausgebäude durch das Architekturbüro Gäbele & Raufer grundlegend saniert. Dabei wird auch der Ratssaal in den ehemaligen Kornspeicher im Dachgeschoss verlegt, wo der Gemeinderat fortan in repräsentativen Räumlichkeiten tagt.

Standort des Fotografen: 47.883850, 8.344208

Blick vom Mailänder Tor in die Untere Hauptstraße, ca. 1955

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Aus dem Torbogen des Mailänder Tores fällt der Blick auf den unteren Rathausplatz und die Untere Hauptstraße entlang in Richtung katholischer Pfarrkirche St. Michael. Weitgehend unverändert ist der Straßenzug bis heute geblieben, die Bausubstanz bliebt erhalten, da keines der Gebäude in der Zwischenzeit abgebrannt ist oder abgerissen wurde. Aber modernisiert und umgebaut wurden die meisten Häuser doch seitdem.

Über den Rathausplatz schlendern zwei Frauen, vorbei am 1954 neu geschaffenen Demetriusbrunnen. Ansonsten ist kein Mensch zu sehen. Die Straßen wirken wie ausgestorben. Es scheint Sonntag zu sein, denn alle Ladengeschäfte sind geschlossen und die Rolläden herunter gelassen. Obwohl die B31 mitten durch das Städtchen führt, gibt es im Augenblick auch keinen Durchgangsverkehr.

Auf der linken Straßenseite ist das Lebensmittelgeschäft »Gottlieb« (Rathausplatz 6) zu sehen. Daran schließen sich das Haus des Kaufmanns Franz Xaver Geiger (Untere Hauptstr. 1), das Haus des Metzgermeisters Fritz Seilnacht (Untere Hauptstr. 3), das Haus von Uhrmachermeister Wilhelm Maier (Untere Hauptstr. 5) und schließlich das Kaufhaus von Alfred Zimmermann (Untere Hauptstr. 7) an. Am Ende der Straße ist das Gasthaus »Sonne« (Kirchstr. 29) zu sehen, das vor den 1930er Jahren noch Gasthaus »Lamm« hieß.

Auf der rechten Straßenseite steht ein weiteres traditionsreiches Wirtshaus, der »Adler« (Untere Hauptstr. 2), erkennbar an seinem schmiedeeisernen Wirtshausschild. Während sich die Gaststube im ersten Obergeschoss befindet, ist im Erdgeschoss seit Kurzem eine Filiale der Sparkasse untergebracht.

Standort des Fotografen: 47.883954, 8.343705

2 Fotos: 20-Jährige im Gasthaus »Sonne«, Fasnacht 1958

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Die 20-Jährigen des Jahrgangs 1938/39 sind im Gasthaus »Sonne« zusammenkommen, um zu feiern. Die Gaststube ist mit Girlanden und Strohmatten dekoriert. Weingläser stehen auf den Tischen und werden eifrig geleert. Gerade wird wieder nachgeschenkt.

Ernst Wehrle aus Dittishausen greift zum Akkordeon und spielt. Begleitet wird er dabei von Dieter Gauger auf der Trompete. Die Stimmung ist feucht-fröhlich. Die anderen singen kräftig mit und schunkeln, was das Zeug hält.

Zu sehen sind u.a. in alphabetischer Reihenfolge: Ferdinand Bernauer, Franz Braun, Johann Fritsche, Dieter Gauger, Karl Heizmann, Ferdinand Schultheiß, Sabine Strobel (verh. Hornstein), Ernst Wehrle

Standort des Fotografen: 47.882978, 8.343799

Narrenumzug auf dem oberen Rathausplatz, Fasnacht ca. 1930

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Hermann Egle zur Verfügung.

Der Narrenumzug bewegt sich durch das Städtchen. Eine Schar uniformierter »Polizisten« oder »Soldaten« marschiert über den oberen Rathausplatz, vorbei an den Schaulustigen, die rechts und links der Umzugsstrecke stehen und allesamt nicht kostümiert sind.

Im Hintergrund sind der »Stadtbau« (Demetriusstr. 1) und das Haus Vogt (Rathausplatz 13) zu sehen. Letzteres ist frisch renoviert. Der Blick fällt auch in die Obere Hauptstraße bis zum »Scharfen Eck«.

Das Foto wird in den frühen 1930er Jahren aufgenommen. Da 1931 und 1932 keine Fasnacht veranstaltet wird, scheint Fasnacht 1930 plausibel. Auch das Motto passt: »Generalmusterung und Besuch Seiner Majestät des Kaisers«.

Standort des Fotografen: 47.884129, 8.345066

2 Fotos: Schüler auf dem Rathausplatz, Fasnacht 1971

Diese Fotos stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Am »Schmutzigen Dunschdig« werden vormittags traditionell die Schüler befreit: Die Fasnachtsferien beginnen! Die kleinen Narren strömen von der Schule ins Städtchen. Hier stehen sie auf dem unteren Rathausplatz, wo am Nachmittag der Narrenbaum aufgestellt wird.

Im Hintergrund ist das Rathaus zu sehen, neben dem eine Telefonzelle steht. Daneben ist die »alte Sonne« (Rathausplatz 9-10), die zwei Jahre später abgerissen wird, und der kleine Gemüse- und Obstladen von Monika Wehrle zu erkennen.

Wer erkennt die Schüler*innen? Zu sehen sind in alphabetischer Reihenfolge u.a.: Jutta Bausch, Jutta Bölle, Karl Friedrich Geisinger, Winfried Hall, Jutta Hasenfratz, Hannelore Heiler, Regina Isele, Annette Japs, Kathi Knödler, Monika Kuster, ??? Mayer, Reinhold Merk, Susanne Müller, ??? Münzer, Inge Sibold (mit schwarzem Pullover), Renate Sibold (mit Chinesenhut), Petra Tibussek, Luzia Walz, Vera Walz, Veronika Zipfel

Oberes Bild: Lehrerin Hannelore Gobil-Cremer (1947-2019)

Unteres Bild: Ganz hinten mit Regenschirm steht Klara Zepf (geb. Assmuth, 1907-1999).

Standort des Fotografen: 47.883729, 8.344040

Musikkapelle im »Gebertsaal«, Fasnacht 1926

Verlag A. Rebholz
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Elisabeth Rosenstiel zur Verfügung.

Im 1925 erbauten »Gebertsaal« (Obere Hauptstr. 11) haben sich diese Musiker für ein Gruppenfoto versammelt. Die Bläser, die sich mit ihren Musikinstrumenten fotografieren lassen, gehören der Stadtmusik an. Zu sehen sind u.a. ein Flügelhorn, ein Horn, eine Klarinette, eine Posaune, eine Trompete, eine Tuba.

1.Reihe, sitzend, v.l.n.r.: Robert Rosenstiel, Johann Beha, Edmund Jordan
2.Reihe, v.l.n.r.: Rupert Hepting, Franz Zepf, Ernst Geisinger, Wilhelm Brugger, Franz Nägele

Vermutlich wird das Foto an Fasnacht aufgenommen. Möglich ist aber auch ein anderer Anlass. Links ist eine Bühne zu erkennen, auf der Bretter gelagert werden und Stühle bereitstehen.

Standort des Fotografen: 47.884524, 8.347082

Sitzungsaal im Rathaus, 2009

Sammlung Familie Waßmer

Bis zur grundlegenden Sanierung des Rathausgebäudes in den Jahren 2016-2018 und der Verlegung des Ratssaales in den ehemaligen Kornspeicher im Dachgeschoss, tagt der Gemeinderat in diesem Sitzungssaal. Die Innengestaltung (Kronleuchter und Wandverkleidung) stammt aus den 1960er Jahren. Eng geht es in dem Saal zu, wenn die 25 Mitglieder zusammen kommen. Für Besucher*innen der öffentlichen Sitzungen ist kaum Platz vorgesehen.

Der Saale, wie er auf dem Foto zu sehen ist, ist für eine Trauung hergerichtet. Denn der Sitzungssaal dient zugleich als Trauzimmer. Das Mobiliar wurde um das Jahr 2000 angeschafft. Die dekorative Wanduhr im Hintergrund hing ursprünglich im Grundbuchamt und fand dann im Sitzungssaal ein neues Zuhause.

Standort des Fotografen: 47.883850, 8.344208

Zerbombtes Haus Zepf in der Unteren Hauptstraße, Februar 1945

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Richard Zepf zur Verfügung.

In der Unteren Hauptstraße werden bei Fliegerangriffen der Alliierten am 24. Februar 1945 zwei Häuser zerstört. Das Haus der Witwe Theresia Kaus (Untere Hauptstr. 9a), ein 1803 erbautes Barockhaus, wird dem Erdboden gleich gemacht. Nur ein Haufen Steine und einige herumliegende Balken erinnern noch daran, dass hier bis vor kurzem noch ein stattliches Gebäude stand.

Das Nachbarhaus von Landwirt August Zepf (Untere Hauptstr. 9), links im Bild, wird ebenfalls stark zerstört. Die Trümmer werden später abgetragen und an ihrer Stelle in den 1950er Jahre ein Neubau errichtet. Auch der Turmhelm des Kirchturms, der im Hintergrund zu sehen ist, wird bei den Fliegerangriffen leicht beschädigt.

Standort des Fotografen: 47.882508, 8.343111

2 Fotos: Beförderung von Norbert Brugger in der Volksbank, 1981

Diese Fotos stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

In der Volksbank am Rathausplatz gibt es Grund zu feiern. Die Kolleg*innen haben sich am Schreibtisch von Norbert Brugger (geb. 1948) versammelt. Luftballons dekorieren das Büro, der Tisch ist mit Blumen geschmückt, eine Flasche Sekt steht bereit. Denn der 33-Jährige hat die Prokura verliehen bekommen und ist nun Prokurist.

Oberes Foto, v.l.n.r., stehend: Ursel Steidle, Hanni Bölle, Waltraud Bausch, Bruno Laule, Günther Scherer, Doris Maier (verh. Kaltenbrunner), Hedwig Amann, Irene Schelling (verh. Egy) und Beate Laufer (verh. Kuster).
Vorne sitzt Norbert Brugger.

Standort des Fotografen: 47.883632, 8.344639