Verlag Flugbild GmbH, Bonn Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Ralf Gauger zur Verfügung.
Dieses Luftbild entsteht in der Nachkriegszeit, vermutlich in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre. Zu sehen ist im Vordergrund die katholische Pfarrkirche St. Michael, mit ihrem 1713-1715 erbauten Langhaus und Chor sowie ihrem 1855 an der Weststeite errichteten Turm. Auf dem Foto ist der Turm noch unverputzt. Schön auf dem Foto zu erkennen ist, dass die Kirche außerhalb des mittelalterlichen Altstadtrings steht.
Neben der Kirche ist rechts das Schlachthaus am Bittenbach zu sehen, das 1968 abgerissen wird, und dahinter der Farrenstall und der neu erbaute Bauhof. Weiter oben in der Bittengasse steht ein Trafohäuschen. Herausragende Gebäude im Städtchen sind das 1830/31 erbaute Rathaus und die beiden Gasthäuser »Sonne« (Rathausplatz 9-10) und »Löwe« (Rathausplatz 11), die den oberen Rathausplatz dominieren.
Dieses Foto stellte dankenswerterweise Karl Hauger zur Verfügung.
Der Kirchturm der katholische Pfarrkirche St. Michael ist 1961 eingerüstet, um verputzt zu werden. Diese Gelegenheit nutzt der Fotograf dieses Bildes, um auf den Turm zu steigen und mehrere Fotos von oben auf das Städtchen aufzunehmen.
Hier ist die Kirchstraße zu sehen, die damals noch Hafnergasse heißt. Drei Häuser der rechten Straßenseite wurden beim Großbrand 1929 zerstört und kurz darauf mit Staffelgiebeln wiederaufgebaut. Anfang der 1960er Jahre hat der Autoverkehr deutlich zugenommen: Vier Autos sind auf diesem Foto zu erkennen. Der alte Brunnen in der Mitte der Hafnergasse ist zu einem Verkehrshindernis geworden. Im linken Straßenzug sind die Häuser Hafnergasse 18 und 19 zu sehen, das Haus von Rosa Hauser (geb. Rebholz) ist an der Markise vor dem Schaufenster zu erkennen. Zehn Jahre später werden beide Häuser abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Von der Kirche aus fällt der Blick die leicht gebogene Kirchstraße hinauf. Links steht im Vordergrund das Haus des Seifensieders Anton Benz (Kirchstr. 12) mit seinem markanten Staffelgiebel. Gleich daneben führt ein kleiner Tordurchgang in die Eggertenstraße. Auf der rechten Straßenseite ist das Haus des Sattlermeisters Ernst Geisinger (Kirchstr. 21) zu sehen. Holzstapel und landwirtschaftliches Gerät lagern unmittelbar im Straßenraum, ein paar Hühner laufen frei umher. Weiter oben steht einer der steinernen Laufbrunnen, die noch zum alltäglichen Straßenbild gehören.
Die Kirchstraße ist noch ganz selbstverständlich ein Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsraum zugleich. Vor den Häusern wird Holz gelagert, Tiere bewegen sich auf der Straße, und der Brunnen dient der Wasserversorgung von Menschen und Vieh. Das Haus Geisinger und mehrere angrenzende Gebäude auf der rechten Straßenseite werden wenige Jahre später beim Brand von 1929 zerstört.
In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 11 unter der Überschrift »Blick von der Kirche in die Seitengasse«. Sie gehört zu den 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, seinen Rundgang durch Löffingen illustriert. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift richtet ihr Augenmerk besonders auf historische Bauformen, gewachsene Ortsbilder und regionale Besonderheiten.
Wingenroth gefällt die Kirchstraße gerade wegen ihres unregelmäßigen, alten Erscheinungsbildes. Er beschreibt sie als »langes gebogenes Gäßlein«, in dem einige der ältesten Häuser mit »gotischen Gewänden« auffielen. Besonders angetan ist er vom steinernen Laufbrunnen und schwärmt von einer früheren Zeit, »die solchen Brunnen so hübsch in die Straße setzte«. Nur eines stört seinen vom Heimatschutz geprägten Blick: der Drahtzaun am Kirchplatz. Aber der befindet sich im Rücken des Fotografen und ist nicht in diesem Bild zu sehen.
Dicht an die Rückwand der Häuser des Altstadtrings schmiegt sich das Haus Hasenfratz (Bittengasse 8). Der Abstand zum Nachbarhaus Krieg ist so gering, dass sich die Dachrinnen fast berühren. Errichtet wurde das Gebäude 1909. Seine Fassade ist holzverschindelt, im Erdgeschoss führt ein Scheunentor hinein. Ein kleines Vorgärtchen trennt das Haus von der Gasse. Seit 1919 ist es im Besitz der Familie Hasenfratz. Zuletzt wohnten hier der Stadtmüller Josef Hasenfratz (1899-1967) und seine zweite Ehefrau Emma Hasenfratz (geb. Hermann).
Im Hintergrund erkennt man die Rückseiten der Häuser Krieg und Maier. Am Haus Maier ist ein Bretterverschlag angebaut – dahinter verbirgt sich das frühere Abtrittshäuschen.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Anita Stephani zur Verfügung. Sammlung Familie Waßmer
1954 schafft der Maler Erwin Baumgart dieses Ölbild des Hauses von Sattlermeister Ernst Geisinger. Er malt den baulichen Zustand vor dem Großbrand 1929 nach der Vorlage einer alten Fotografie und nach der Beschreibung von Familie Geisinger.
Auffallend an dem Haus ist das hochaufragende riesige Dach. Mitte des 19. Jahrhunderts wohnte ein Rotgerber darin. Die vielen kleinen Fenster im Giebel dienten als Lüftungsfenster für die gegerbten Felle, die im Speicher hingen. Hinter dem Haus schloss sich ein Garten in der heutigen Bittengasse an. Die übrigen Häuser in der Kirchstraße, die noch Hafnergasse heißt, sind nicht detailliert ausgearbeitet, sondern nur angedeutet.
Dieses Foto stellten dankenswerterweise Elisabeth und Franz Isele zu Verfügung.
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Die Pferde schnauben, der Wagen ruckelt durch die Kirchstraße, und hoch oben darauf tobt das wilde Treiben: Männer und Frauen mit bemalten Gesichtern, Federschmuck und Lanzen stellen »Indianer« dar. Ein Marterpfahl ragt in die Höhe, während die Darsteller die Arme in die Luft reißen und das Publikum am Straßenrand anfeuern. »Entdeckung Amerikas durch Kolumbus« lautet das Fasnachtsmotto des Jahres 1935 – und die Darstellung folgt dem Klischeebild, das in Büchern oder Abenteuerfilmen populär geworden ist.
Die »Fremden« werden dabei exotisiert, ihre Darstellung schwankt zwischen Faszination und Verachtung. Sie erscheinen als wilde, ungezähmte Gestalten, über die man lacht, die man bestaunt, deren Wirklichkeit aber unsichtbar bleibt. So wie hier in Löffingen entstehen an Fasnacht Bilderwelten, die das Eigene stärken, indem sie das Andere zur Karikatur verzerren.
Im Hintergrund ist, fast verdeckt, das Haus von Wagnermeister Adolf Schelling (Kirchstr. 11) zu erkennen. In der linken Hälfte befindet sich der Wohnbereich, in der rechten Gebäudehälfte die Ökonomie.
Vorne am Wagen steht Karl Glunk mit einer weißen Zipfelmütze – vermutlich lenkt er die beiden Pferde, die den Wagen durch die enge Kirchstraße ziehen.
Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.
Vom Rathausturm fällt der Blick über die Dächer im Altstadtring in Richtung »Hasle«. Den Schulweg gibt es schon, aber der Kindergarten wird erst in den 1960er Jahren gebaut. Links und rechts des Weges sind nur Wiesen zu sehen, links die »Linden-Wiese« und rechts die »Bittenwiesen«. Leicht erhöht stehen die Festhalle und die Volksschule, 1936 eingeweiht, vor dem kleinen Wäldchen. Rechts daneben ist die frisch erbaute evangelische Johannes-Kirche zu sehen. Das evangelische Pfarrhaus wird erst 1969/70 erbaut und fehlt noch auf dem Bild.
Die Dächer im Vordergrund gehören zum Gasthaus »Löwen« und zum ehemaligen Gasthaus »Sonne« am oberen Rathausplatz und dahinter zu den Häusern der Kirchstraße. Vis-à-vis vom Fotografen ist die ehemalige Zehntscheuer der Fürstenbergischen Standesherrschaft (Kirchstr. 9) zu sehen. Sie gehörte ab 1843 als Ökonomiegebäude zum »Löwen« und seit 1933 dem Viehhändler Karl Krieg.
Außerhalb des Stadtrings standen in der Vergangenheit nur wenige Häuser. Das holzverschindelte Haus Hasenfratz (Bittengasse 8) ist eines davon. Es schmiegt sich eng an die ehemalige Zehntscheuer der fürstenbergischen Herrschaft (Kirchstr. 9) an. Nur ein schmaler Durchgang ist zwischen den beiden Gebäuden vorhanden. 2004 wird das Haus Hasenfratz abgerissen.
Links im Vordergrund sind Garagen zu sehen, die zum Haus des Wagnermeisters Hermann Schelling (Kirchstr. 11) gehören.
Das Haus des Viehhändlers Karl Krieg ist eigentlich eine Scheune. Sie hatte einige Vorbesitzer. Das Gebäude wurde als Zehnscheuer der fürstenbergischen Herrschaft errichtet. Hier mussten die zinspflichtigen Bauern ihren jährlichen Getreidezehnt abliefern. Das Getreide wurde eingelagert und ausgedroschen. Mit dem Ende der Fürstentums Fürstenberg 1815 wurde das Gebäude an den »Löwen«-Wirt verkauft. 1933 erwarb Karl Krieg die »Löwenschier«, wie sie fortan genannt wurde, und nutzte sie für sein Gewerbe.
Die Häuserzeile setzt sich fort mit dem Haus Maier (Kirchstr. 7) und dem Haus Kirner (Kirchstr. 5), in dem sich die Fahrschule Mogel befindet. Das anschließende Haus an der Ecke wurde kürzlich abgerissen. Dort entsteht gerade das städtische Gebäude mit dem Tourismusbüro, der Stadtbibliothek und dem Heimatmuseum.
Am 7. Dezember 1991 öffnet das altehrwürdige Gasthaus »zum Löwen« wieder seine Pforten. Jürgen und Susanne Jeitler aus Offenburg sind neue Pächter. Seit Juni hatten die beiden das Gasthaus umgebaut: Das Lokal wurde renoviert und die Küche erneuert. Doch bereits zwei Jahre später steht ein erneuter Wechsel an. Am 4. Februar 1994 übernehmen das Pächterehepaar Martin und Michaela Titze das Gasthaus. Martin Tietze, ein gelernter Koch, betrieb vorher zusammen mit seiner Frau Michaela ein Wirtshaus im Bärental. Doch auch damit ist zwei Jahre später wieder Schluss: 1996 kommt der »Löwe« unter den Hammer und wird zwangsversteigert.
An der Einmündung des Schulweges in die Bittengasse steht das Haus Hasenfratz. Es steht außerhalb des mittelalterlichen Stadtrings und schmiegt sich an die Rückseite der ehemaligen Zehntscheuer (Kirchstr. 9).
Als das Foto aufgenommen wird, befindet sich das zweistöckige Haus im Besitz der Stadtgemeinde. Ende der 1990er Jahre dient es als Wohnung für Flüchtlinge aus dem Kosovo. Danach wird es abgerissen und schafft Leerraum für einen Parkplatz.