Julius Limb auf seinem Hundeschlitten in der Oberen Hauptstraße, 1915

Dieses Foto stellte dankenswerterweise Gertrud Geisinger zur Verfügung.

Hundeschlitten werden im Polargebiet wie z. B. Alaska, Grönland und der Arktis verwendet – aber auch in der Oberen Hauptstraße! Wir schreiben das Jahr 1915 und der Freiseurmeister Julius Limb (1883-1968) hatte eine Idee, die er prompt in die Tat umsetzte. Statt eines richtigen Schlittenhundes bindet er kurzerhand seinen Hund, eine Dogge, vor den Schlitten. Ob das große, kräftige Tier tatsächlich sein »Herrchen« gezogen oder sich geweigert hat, geht aus dem Foto nicht hervor.

Im Hintergrund sind auf der rechten Straßenseite die Häuser von Konrad Bader (Obere Hauptstr. 17), von Johann Bader (Obere Hauptstr. 19) und von Ida Jordan geb. Schlatter (Obere Hauptstr. 21) zu sehen.  Die Elektrisierung scheint gerade Einzug gehalten zu haben, dann entlang der Straße sind Strommasten zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.885217, 8.350382

Gasthaus »Pilgerhof« mit Pensionsgebäude in der Maienlandstraße, ca. 1921-1925

Sammlung Familie Waßmer

»Kaffee & Gasthaus zum Pilgerhof« steht in großen Buchstaben auf dem Emailleschild, das unübersehbar an der Fassade angebracht ist. Über der Eingangstür hängt ein weiteres, viel kleineres Schild. Darauf steht der Name des Besitzers: Otto Vogel.

Der Gast- und Landwirt Otto Vogel (1871-1940), in Freiburg geboren, hatte 1895 nach Löffingen eingeheiratet. Seine Frau Rosa geb. Faller (1870-1934) war die Tochter der Wirtsleute Faller. Das Ehepaar Vogel brach die angrenzende Scheune ab und errichtete etwa 1921 an ihrer Stelle ein Pensionsgebäude mit Fremdenzimmern, das rechts im Bild zu sehen ist. Auf dem Foto sind am rechten Bildrand außerdem Stromkabel zu erkennen, die über die Maienlandstraße gespannt sind. Insofern ist das Foto nach der Elektrifizierung 1916 und nach dem Bau des Pensionsgebäudes Anfang der 1920er Jahre entstanden.

Standort des Fotografen: 47.887093, 8.341458

Trümmerfeld in der Ringstraße nach dem Großbrand, 1921

Verlag A. Rebholz, Löffingen | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Benitz zur Verfügung.

Der Brunnen in der Bildmitte steht an der Einmündung der Demetriusstraße (damals Hintergasse) in die Ringstraße, nämlich an der Stirnseite des Hauses von Anton Engesser (Demetriusstr. 4), zu dessen Grundstück der hölzerne Gartenzaun gehört. »Süßer Winkel« wird die Ecke im Altstadtring eigentlich genannt. Doch sie hat all ihre Süße eingebüßt, nur noch Schutt und Asche sind nach dem Großbrand vom 28. Juli 1921 übrig geblieben.

Der Blick geht von der Demetriusstraße, an einem schief stehenden Strommasten vorbei, in Richtung Ringstraße und Alenberg. Die Ruinen gehören zu den Häusern von Katharina Mäder (Ringstr. 1), Wagnermeister Andreas Maier (Ringstr. 2) und Landwirt Karl Diesberger (Ringstr. 2*). Beim Wiederaufbau werden die Grundstücke von Maier und Diesberger zusammengelegt.

Standort des Fotografen: 47°53’03.6″N 8°20’40.1″E

Blick vom Rathaus zum Alenberg nach dem Großbrand, 1921

Verlag A. Rebholz, Löffingen | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Rita Willmann zur Verfügung.

Nach der Brandkatastrophe vom 28. Juli 1921 wird dieses Foto vom Rathaus aus aufgenommen. Der Blick fällt auf die Trümmerreste, die am unteren Rathausplatz von den Häusern von Metzgermeister Johann Riegger und von Landwirt Anton Brunner übrig geblieben sind. Mit Bleistift wurde das Foto beschriftet: »Brunner Giebel« und »Kamin Riegger« ist zu lesen. Der Giebel ganz rechts gehört zum Postamt (Rathausplatz 3), das vor dem Abbrennen gerettet werden konnte.

Im Hintergrund sind die vollkommen zerstörten Straßenzüge der Demetriusstraße und der Ringstraße zu sehen. Der Giebel des eingeäscherten Doppelhauses Benitz-Thoma (Alenbergstr. 7-9) ragt gespenstisch empor. »Thoma« wurde daneben notiert.

Standort des Fotografen: 47.883913, 8.344266

Brennende Häuser am Alenberg beim Großbrand, 28. Juli 1921

Verlag A. Rebholz, Löffingen | Dieses Foto stellten dankenswerterweise Inge Benitz und Franz Scholz zur Verfügung.

Am 28. Juli 1921 weht ein verhängnisvoller Südwestwind, der das Mitten im Städtchen ausgebrochene Feuer anfacht. Durch Funkenflug breitet sich das Feuer rasend schnell bis hinauf zum Alenberg aus. Die Häuser von Otto Ganter, Hermann Fehrenbach und Antonie Münzer überspringt es. Sie bleiben verschont. Aber die Häuser von Bürgermeister Adolf Kuster, von Schreinermeister August Limb, von Schreinermeister Leo Münzer sowie die beiden Häuser der Witwe Morath und von Landwirt Albert Jonner werden ein Raub der Flammen. 

Karl Bader, der Sohn des Feuerwehrkommandanten, erinnert sich 1962: »Das Wäldchen auf der Kuppe des Alenberges war damit auch in Gefahr gekommen, und hatte auch schon zu brennen begonnen, doch die Wehr von Bräunlingen bannte diese Gefahr des Verderbens.«

Das Foto entsteht in der Alenbergstraße, während das Feuer wütet. Feuerwehrmänner und Helfer sind zu erkennen. Insbesondere auf dem Alenberg ist die Wasserversorgung so schlecht, dass sie dem Feuer weitgehend hilflos gegenüber stehen. Zwei Männer haben ein Möbelstück vor den Flammen gerettet und tragen es über die Straße, um es in Sicherheit zu bringen.

Standort des Fotografen: 47.886157, 8.343366

Blick von der Maienlandstraße zum Alenberg nach dem Großbrand, 29. Juli 1921

Fotograf: E. Baumgartner, Freiburg | Stadtarchiv | Dieses Foto stellte dankenswerterweise Inge Benitz zur Verfügung.

Beim Großbrand am 28. Juli 1921 wurden in der Maienlandstraße das Anwesen von Landwirt Karl Honold (Maienlandstr. 2) und das kleine Molkereihäuschen ein Raub der Flammen. Karl Bader, der Sohn des damaligen Feuerwehrkommandanten erinnert sich 40 Jahre später: »In dieser Breite nahm das Feuer seinen Zug hinauf bis zum Alenbergwäldchen und zerstörte alles, was die Menschen in jahrelanger Arbeit schufen.«

Hinter dem Haus Honold und dem Molkereihäuschen sind die eingeäscherten Häuser Thoma und Benitz (Alenbergstr. 7-9) zu sehen. Auf dem Alenberg übersprang das Feuer die Häuser von Blechnermeister Otto Ganter (Alenbergstr. 14), Landwirt Hermann Fehrenbach (Alenbergstr. 13) und Antonie Münzer (Alenbergstr. 15). Es zerstörte aber weiter oben die Häuser von Bürgermeister Adolf Kuster, von Schreinermeister August Limb, von Schreinermeister Leo Münzer, von der Kriegerwitwe Rosina Morath und von Landwirt Albert Jonner.

Auf dem Foto sind die noch rauchenden Brandruinen am Tag danach zu sehen. Zwei Frauen mit Kinderwagen unterhalten sich auf der Maienlandstraße vor einer unheimlichen Kulisse.

Standort des Fotografen: 47.884462, 8.343312

Belegschaft des Sägewerk Benz, ca. 1920-1928

Dieses Foto stellten dankenswerterweise Walter und Johanna Nägele zur Verfügung.

Spricht man über die Geschichte des Sägewerks Benz, dann läuft man allzu schnell Gefahr, nur über den Unternehmensgründer Josef Benz (1882-1932) und über die Geschichte des Werksanlagen, ihre Erbauung, ihre Zerstörung bei verschiedenen Bränden, ihren Wiederaufbau zu sprechen. Aus dem Blick geraten schnell, diejenigen Menschen, die das Sägewerk Benz mit ihrer täglichen Arbeit überhaupt erst möglich machten. Die Holzindustriewerke Josef Benz AG waren Arbeitsplatz für Hunderte von Menschen, deren Lebensunterhalt von diesem Werk abhing.

Vor dem Großbrand 1928 waren hier rund 350 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Etwa 100 von ihnen haben sich für dieses Gruppenfoto vor der Werkshalle versammelt. Vor ihnen verlaufen die Gleise der Werksbahn. Auf den Gleisen wurden Schmalspurloren geschoben, in denen Baumstämme nach dem ersten Gatterdurchlauf transportiert wurden, damit sie im zweiten Durchlauf erneut beschnitten werden konnten. Desweiteren benutzte man die Wagen um die fertigen Hölzer aus der Sägehalle zum Lagerplatz zu transportieren. Auf dem Dach der Werkshalle sind Verteilermasten für den elektrischen Strom zu erkennen. Darüber verlaufen Rohre der Absauganlage.

Standort des Fotografen: 47.883251, 8.339492

Fronleichnamsprozession in der Maienlandstraße, 1955

Dieses Foto stellte uns dankenswerterweise Paula Veith zur Verfügung.

Es ist Fronleichnam oder »Herrgottstag«. Nach der heiligen Messe in der katholischen Pfarrkirche St. Michael, deren Kirchturm im Hintergrund zu sehen ist, schließt sich eine lange Prozession durch das Städtchen an. Der Stadtpfarrer trägt die Monstranz mit dem Allerheiligsten in einem Festzug unter Gebet und Gesang durch die Straßen. Die Monstranz wird dabei von einem »Himmel« genannten Stoffbaldachin beschirmt. Der Pfarrer wird von den Gläubigen begleitet. Vorneweg laufen Ministranten mit Fahnen, dahinter folgen die Erstkommunionkinder.

Schier endlos mutet die Prozession an, die vom Haus Egle (Maienlandstr. 8) bis weit hinter das Mailänder Tor reicht. In den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft waren Fronleichnamsprozessionen nur eingeschränkt möglich gewesen, weil die Stadtgemeinde der Kirchengemeinde immer wieder die Benutzung öffentlicher Straßen untersagt hatte. Auch die Anzahl der Gläubigen, die an der Prozession teilnahmen, war in der NS-Zeit zurück gegangen. In der Nachkriegszeit gab es nun eine Renaissance des Religiösen. Obwohl die katholische Kirche eine Mitschuld auf sich geladen  hatte, wurde sie von vielen als eine Institution angesehen, die moralisch unbeschädigt aus Diktatur, Krieg und Massenmord hervorgegangen war.

Auf dem Prozessionsweg sind mehrere Altäre aufgebaut; bei jeder Station wird ein Abschnitt aus dem Evangelium vorgetragen, es werden Fürbitten gesprochen und der sakramentale Segen in alle Himmelsrichtungen und über die Stadt erteilt. Auch in der Maienlandstraße steht traditionell einer der Altäre. Die Straße selbst ist geschmückt. Zwar sind auf dem Foto keine Fahnen und auch kein Blumenteppich zu sehen, aber beiderseits der Straße sind Birkenzweige in das Straßenpflaster gesteckt, sodass sich die Prozession durch junges Grün bewegt. Vorne rechts ist der Laufbrunnen vor dem Garten von Familie Kuster zu sehen, der in den 1960er Jahren entfernt wird. Er muss der Stadtwaage weichen.

Standort des Fotografen: 47.885416, 8.342254

Haus Heiler im Pfarrweg, ca. 1925

Dieses Foto stellte uns dankenwerterweise Luzia Heiler zur Verfügung.

1895 hatte der Landwirt und Schreiner Josef Viktor Heiler (1868-1947) das Anwesen im heutigen Pfarrweg von seinen Schwiegereltern Jakob und Judith Laiz übernommen. Verheiratet war er mit Franziska Heiler geb. Laiz (1868-1960). Die Bezeichnung Pfarrweg ist freilich jüngeren Datums und stammt erst aus den 1960er Jahren, als das katholische Pfarrhaus neu gebaut wurde. Als dieses Foto entsteht, wird das Haus Heiler noch der Seppenhofer Straße oder der »Härte« zugeordnet.

Das Anwesen besteht aus einem zweistöckigen Wohnhaus mit Scheuer und Stallung sowie einem angebautem Schopf mit Schweineställen. An der Dacheindeckung ist deutlich zu erkennen, dass das Gebäude ursprünglich niedriger war und später um ein Dachgeschoss aufgestockt wurde. Neben dem Haus befindet sich ein Misthaufen. Im Vordergrund des Bildes steht ein Strommast: Seit 1916 verfügt Löffingen über Elektrizität.

Standort des Fotografen: 47.881873, 8.344343

Bäckerei Straub und »alter Benzbau« in der Unteren Hauptstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Breit zieht sich das Haus des Bäckermeisters Ernst Straub (Untere Hauptstr. 6) entlang der Straße. Im Erdgeschoss ist der Laden eingerichtet, ein kleines Schaufenster ist neben dem Ladeneingang zu sehen. Ein großes Scheunentor ist in der rechten Gebäudehälfte zu erkennen. Unmittelbar daneben schließt sich das Haus Limb (Untere Hauptstr. 4) an, in dem Friseurmeister Julius Limb seinen Friseursalon betreibt. Ein Geschäftsschild an der Fassade weist darauf hin. Am linken Bildrand steht der sogenannte »alte Benzbau« (Untere Hauptstr. 8) mit seiner breiten Giebelfront und den regelmäßig angeordneten Fenstern.

Die Aufnahme vermittelt einen Eindruck davon, wie selbstverständlich sich Geschäfte in die Wohnhäuser einfügen. Es gibt keine großflächigen Schaufensterfronten oder auffällige Reklame. Wohnen, Handwerk und Verkauf liegen unmittelbar nebeneinander und prägen gemeinsam das Straßenbild der Unteren Hauptstraße.

Als Bild Nr. 17 findet die Ansicht Eingang in den 1921 erschienenen Löffingen-Beitrag der Zeitschrift »Badische Heimat«. Unter der Überschrift »Haus Ernst Straub mit Laden« gehört sie zu insgesamt 28 Fotografien, mit denen der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922) seine Leser*innen durch das Städtchen führt. Als Schriftleiter der vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebenen Zeitschrift interessiert er sich besonders für traditionelle Bauformen und dafür, wie Neubauten und Geschäftseinbauten das gewachsene Ortsbild verändern.

Das Haus Straub findet ausdrücklich seine Zustimmung. Die Art, »wie hier die Läden eingebaut sind«, bezeichnet Wingenroth als gelungenes Gegenbeispiel zu anderen, von ihm kritisierten Geschäftshäusern. Auch die »freundliche, breite Giebelfront« des benachbarten Hauses gefällt ihm. Besonders lobt er, dass die Firmenschilder »bescheiden und anständig geblieben« seien und dadurch die Wirkung der alten Straße nicht beeinträchtigten. Seine Wortwahl verrät dabei deutlich den Blick des Heimatschutzes: Bewahrt werden soll ein möglichst harmonisches, traditionell wirkendes Stadtbild. Doch die moderne Zeit hält längst Einzug, und der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten: Auf dem Dach der Bäckerei Straub ist bereits ein Mast für die Elektrizitätsversorgung zu erkennen.

Standort des Fotografen: 47.883482, 8.343833

Katholisches Pfarrhaus in der Unteren Hauptstraße, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Beherrschend steht das katholische Pfarrhaus (Untere Hauptstr. 10) am südlichen Ausgang des Städtchens. Der stattliche, nahezu quadratische Baukörper mit seinem mächtigen, doppelt abgewalmten Dach hebt sich deutlich von der kleinteiligeren Bebauung im Hintergrund ab. Fensterläden gliedern die schlichte Fassade, ein Mäuerchen und ein niedriger Zaun grenzt das Grundstück zur Straße hin ab.

Errichtet wurde das Pfarrhaus 1788 unter Stadtpfarrer Johann Georg Eggstein und damit tatsächlich noch im Barock. Es dient über mehr als eineinhalb Jahrhunderte als Amts- und Wohnhaus der Löffinger Stadtpfarrer. Ursprünglich gehörte zum Anwesen auch eine Pfarrscheuer, die jedoch beim Bau der Eisenbahnlinie weichen musste. Das Pfarrhaus wird in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 stark beschädigt.

Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Haus Kaus (Untere Hauptstr. 9a) bildet das Pfarrhaus am Bahnübergang nach Göschweiler ein markantes architektonisches Paar. Beide Gebäude besitzen die für ihre Erscheinung so charakteristischen mächtigen Dächer und rahmen den damaligen Ortsausgang ein.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« wird die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 24 unter der Überschrift »Barockhaus am Ausgang nach Göschweiler« veröffentlicht. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Schriftleiter der Zeitschrift und Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg, nimmt das Gebäude in seinen fotografischen Rundgang durch Löffingen auf. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich besonders solchen als charakteristisch und erhaltenswert empfundenen Zeugnissen regionaler Baukultur.

Zum Abschluss seines Rundgangs zählt Wingenroth das Pfarrhaus und sein Gegenüber ausdrücklich zu den erfreulichen Beispielen Löffinger Architektur. Er schwärmt von den »beiden schönen Barockhäusern, die jeder Stadt eine Zierde wären«, und hebt besonders ihre »doppelt abgewalmten Dächer« hervor. Gerade an dieser Stelle wird deutlich, welche Bauformen dem Heimatschutz jener Zeit als vorbildlich gelten.

Standort des Fotografen: 47.882345, 8.342872

Oberer Rathausplatz mit Haus Nägele und Postamt, 1921

»Badische Heimat«, Heft 1-3, Karlsruhe, 1921

Breit öffnet sich der obere Rathausplatz vor dem früheren Fürstenbergischen Amtshaus. Das 1739 errichtete Gebäude ist inzwischen in zwei Haushälften unterteilt. Über dem Eingang der rechten Hälfte (Rathausplatz 2) ist noch das herrschaftliche »Allianzwappen« zu erkennen, das an die frühere Nutzung des Hauses erinnert. In alten Quellen wurde das Gebäude gar als »Schloss« bezeichnet. In der linken Hälfte (Rathausplatz 3) befinden sich nun das Postamt und das Geschäft des Buchbinders Anton Rebholz.

Gerade diese Mischung aus altem Amtshaus und neuer Nutzung prägt die Aufnahme. Die historischen Fassadenformen sind noch deutlich vorhanden, zugleich haben Ladeneinbauten und neue Fenster das Erscheinungsbild verändert. Das Postamt wirkt mit seinen auffälligen Fenster- und Türformen deutlich anders als die benachbarte ältere Bausubstanz.

In der Zeitschrift »Badische Heimat« erscheint die Aufnahme 1921 als Bild Nr. 16 unter der Überschrift »Oberer Platz, Haus Nr. 2 von 1739 und Postamt«. Der Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872-1922), Leiter der Städtischen Sammlungen in Freiburg und Schriftleiter der Zeitschrift, betrachtet solche Veränderungen mit einem ausgesprochen kritischen Blick. Die vom »Landesverein Badische Heimat e. V.« herausgegebene Zeitschrift widmet sich Geschichte, Kunst, Architektur, Landschaft und Volkskunde Badens und vertritt dabei deutlich die Ideale des Heimatschutzes.

Wingenroth stört sich zunächst am »Ladeneinbau« in der rechten Gebäudehälfte, der das mit Freitreppe, Rundbogentür und Wappen geschmückte Haus seiner Ansicht nach »entstellt«. Noch schärfer fällt sein Urteil über das Postamt aus: Dessen »neogotisierende Fenster« und die Tür fielen »ganz aus dem Rahmen der hier ortsüblichen Bauweise«; auch die Bemalung zwischen den oberen Fenstern missfällt ihm. Immerhin sieht er eine einfache Lösung: »Durch einen entsprechenden Anstrich« ließe sich manches mildern. Seine Kritik zeigt, wie stark er moderne Umbauten danach bewertet, ob sie sich seinem Ideal eines harmonischen, regionaltypischen Stadtbildes unterordnen.

Standort des Fotografen: 47.883958, 8.344790